Wunderbar

„Deine Lakaien“ haben mit dem Song „Wunderbar“ eine etwas schräge Ode an eine Straßenlaterne gerichtet. Ein Loblied auf eine Lichtquelle. Dieses Wochenende bewies die irdische Standard-Lichtquelle Sonne, dass auch sie wunderbare Stunden schenken kann.

Es ist mein erster Sonnenradfahrtag im Jahr 2013. Lange und hartnäckige Krankheiten, radsportunfreundliche Dienstzeiten (ein jeder normale Bürojob hat radsportunfreundliche Dienstzeiten, weil man im Winter erst nach Hause kommt, wenn es schon dunkel ist und im Sommer den Zieleinlauf der Tour-de-France-Etappe live im Fernsehen verpasst) sowie ein schönes Winterwetter hatten dies bisher verhindert.

Ich bereite meinen Crosser vor, wische den Dreck der letzten Ausfahrt (ich sehe im Trainingstagebuch, dass die bereits am 12.1. war, vor einer halben Ewigkeit) von der Kette und lösche ihren Durst nach frischen Schmiermittel. 4 (hinten) und 3,5 (vorne) bar Druck in die Reifen, die Pulsuhr auf den Lenker geklemmt und nochmals einen freudigen, zufriedenen Grinser beim Anblick der Hochprofilfelgen, die ich mir für den Crosser gegönnt habe, gemacht. Was ziehe ich an? Die letzte Ausfahrt ist zu lange her, ich kann mich nicht mehr erinnern, was für + 7 °C gut geeignet ist. Und außerdem hat die Sonne bereits viel Kraft.

Ich habe Glück, ich errate die Zusammenstellung der Funktionsbekleidung, die zum Wetter passt. Die Sonne ist wunderbar, der Fahrtwind bläst mir wunderbar ins Gesicht und ist gar nicht kalt. Die Kette surrt leise vor sich hin, ein wunderbares Geräusch, das sich mit dem Abrollgeräusch der profilierten Reifen vermischt. Eine wunderbare Mischung. Ich gehe in den Wiegetritt, beschleunige etwas und nehme jeden dieser Momente, so wie es ein trockener Schwamm mit Wasser macht, dankbar in mich auf. Ich bemerke, während ich in Richtung Donauinsel rolle, Bremsmanöver und Beschleunigungen sich abwechseln, bemerke ich, wie sehr ich solche Ausfahrten vermisst habe. Ein wunderbares Gefühl beendet meinen Entzug. Radsport ist eine wunderbare Sucht.

Im Prater geht es das erste Mal auf unbefestigte Böden. Die Schneeschmelze hat die Böden tief gemacht, es ist wunderbar matschig, das Fahrgefühl am weichen Untergrund ist gut. Via Praterbrücke auf die Donauinsel. Mittlerweile habe ich viele kleine und unbefestigte Wege abseits der asphaltierten Radwege auf der Donauinsel gefunden, auf denen mir aber heute viele Menschen begegnen – nicht nur ich verbringe einen wunderbaren Nachmittag. Die Wege abseits sind trotzdem angenehm zu befahren und entschädigen für die Momente der Straßensaison, in denen das Radwegenetz der Donauinsel monoton erscheint und nervt. Bemerkenswert finde ich die Arbeit der Biber: Wie man es vom Fernsehen kennt, sind etliche Bäume angenagt und teilweise gefällt. Sehr fleißige Viecher. Es wäre wunderbar, einmal selbst einen Biber zu erspähen – bis jetzt haben sie sich gut vor mir versteckt.

Die Sonne wärmt mich wunderbar, mit ist nicht kalt und habe Spaß. Es macht meinen Kopf frei. Ich spüre mich, ich spüre meinen Körper und ich spüre wie die kleine winzige Glut der Leidenschaft, die im kalten Winter die Moral gerade noch hoch halten konnte, die Leidenschaft voll entfacht hat. Meine Gefühlswelt, die seit ein paar Wochen eine Achterbahnfahrt durchführt, fühlt sich plötzlich geordnet an, ich bemerke, wie sich das wohlige Gefühl der Zufriedenheit herausdestilliert, Negatives verdampft. Wunderbar! Auf den letzten Metern nach Hause pfeife ich vergnügt die Melodie…

P.S.: hier der Link zum Song (http://www.youtube.com/watch?v=iNeqXZVdIKI) und ein Bild meines Crossers (ja, ich habe Campa-Laufräder mit Shimano-Freilauf und es ist mir wurscht)

ridley crosswind

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