Die Nachtfahrt und ein Hinault auf der Donauinsel

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Weil der Winter so ist, wie er ist, weil der Frühling noch ausbleibt, weil der Sonnenschein so wenig ist, die dunklen Stunden aber so viele, findet so manche Ausfahrt im Dunklen statt. Die beleuchteten Bereiche der Prater-Hauptallee und der Donauinsel ermöglichen es mir, der kompletten Dunkelheit auszuweichen, ohne dass die Strecke zu kurz und langweilig wird, weil ich sie öfters befahren müsste, um Kilometer zu sammeln.

Einen kleinen LED-Scheinwerfer am Lenker montiert, ein rotes Blinklicht „achtern“ und schon kann die Fahrt mit dem Crosser losgehen, denn bei Temperaturen um die 10° ist es meinen Straßenrädern zu kalt. Es ist nur wenig Straßenverkehr bis zur Hauptallee, wo ich auch gleich unbefestigten Untergrund unter das Profil nehme. Die Traber-Strecke parallel zur Hauptallee ist noch ausreichend gut beleuchtet, sodass ich nicht allzu viel auf dem Asphalt der Hauptallee fahren muss. Läufer, die mir hier entgegen kommen, heben die Hand, sie winken mir wohl. Nein, ich blende sie, weshalb ich den Scheinwerfer nachjustiere.

Ich liebe das Geräusch von Schotter, Gatsch oder andere Bodengegebenheiten, wenn ich meinen Crosser hindurch steuere. Vorbei an großen Läufergruppen von an die 30 Menschen, die noch „rechtzeitig“ einen Monat vor dem Vienna City Marathon zu „trainieren“ begonnen haben, geht es über die großzügig beleuchtete Praterbrücke auf die Donauinsel, wo ich auch eine kurze Strecke in der völligen Dunkelheit fahre. Das Fahrgefühl ist eigenartig, die Sicht und eigentlich fast die gesamte Wahrnehmung beschränken sich auf den Leuchtkegel der LED, der Wind bläst sanft , aber kalt ins Gesicht, die Geschwindigkeit, mit der ich fahre, kommt mir viel schneller vor, als sie wirklich ist, die Hecken und Bäume neben dem Radweg  bilden dunkle Wände, die sehr schnell an mir vorbei huschen. Es ist ruhiger als sonst, einsamer als sonst. Ich genieße es. Die Fahrt geht weiter in Richtung Norden und ich komme wieder auf beleuchtete Radwege, bis ich unter der U6-Brücke begleitet vom Lärm einer U-Bahn-Garnitur, die gerade über die Brücke rauscht, wende. „Zurück über die Reichsbrücke und den Prater nach Hause!“, sagt die Motivation.

Da ist er plötzlich. Unter dem Licht einer Laterne entdecke ich ein graues, gedrungenes Tier mit einem kurzen und breiten Schwanz. Das kann kein Hund sein, auch hat er zur Positionsbestimmung kein lächerliches Blinkhalsband. Ich nähere mich, das Rasseln des Freilaufes verrät mich und ich blicke das erste Mal in meinem Leben in die Augen eines Dachses. „Guten Abend, Herr Grimart!“, sage ich leise. Ich halte an, wir mustern uns gegenseitig einige Sekunden. Er wirkt cool, nicht panisch, wie so manches Reh, das mir schon auf der Donauinsel begegnet ist, dreht sich langsam wieder um und verschwindet  im Dickicht. So sieht also Herr Grimbart aus… Ich bin begeistert von dieser seltenen Begegnung mit einem „Blaireau“, wie der Dachs in der Sprache des Pelotons heißt.

Bernard Hinault, 5facher Tour-de-France-Sieger und Dominator von so vielen anderen Rennen der 70er- und 80er-Jahre, wurde aufgrund seiner taktischen Cleverness und seines unbändigen Ehrgeizes „Le Blaireau“ genannt. Ein symbolischer Hinault also auf der Donauinsel. Es ist jedoch einfach nur eine „tierische“ Begegnung, der echte Hinault hat an einem anderen Tag Geburtstag und hat an einem 20. März lt. Quellenlage nichts Besonderes vollbracht. Schade, es hätte ein Omen, ein Zeichen, eine Offenbarung sein können.

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