Früher

Früher habe ich hier gelebt, ich bin hier aufgewachsen, nun bin ich nur mehr auf Besuch hier. Neutal war für 24 Jahre mein Lebensmittelpunkt, nun ist’s 8 Jahre her, seit ich nach Wien gezogen bin. Doch es ist immer noch ein Besuch zu Hause, wenn ich wieder in Neutal bin – ja, Neutal ist noch immer „zu Hause“ für mich. Es ist so, als ob Wien so weit weg wäre und nicht nur die knappe Autostunde, es ist mir hier vieles so vertraut, so als ob ich nie weg gewesen wäre.

Früher habe ich mich am Fußballplatz beim ASKÖ Neutal sportlich als Tormann betätigt, noch früher war ich einfach nur so mit meinen Freunden Fußballspielen, in Zeiten, wo wir noch nicht „Kicken“ dazu sagten. Den Fußballplatz lasse ich gleich zu Beginn meiner Runde mit dem Crosser links liegen und fahre entlang des Stooberbaches teils auf Feldwegen, teils auf dem Radweg über St. Martin und Weppersdorf nach Tschurndorf, wo ich fröstelnd umdrehe. Es ist erster April mit dem Wetter vom ersten Feber oder eines beliebigen anderen Wintertags. Ich fahre etwas druckvoller (damit mir wieder warm wird) zurück in Richtung Neutal und mache eine ausgiebige Schleife über diverse Feldwege, als ich beim Technologiezentrum Neutal meine Beine etwas ruhen lasse und etwas langsamer dahinrolle.

Florianikapelle am 1.4.2013

Florianikapelle am 1.4.2013

Florianikapelle um 1990

Florianikapelle um 1990

Früher war hier nichts außer Feldern, heute sind etliche Betriebe hier angesiedelt, die Arbeitsplätze und Wohlstand in die Region bringen. Falsch, etwas war damals auch hier, etwas verloren stand damals schon die Florianikapelle in Mitten der Felder (http://toolserver.org/~alexxw/Denkmalliste/index.php?action=EinzelID&ID=67205). Sie steht noch immer, aber hat große Nachbarn bekommen. Früher sah das irgendwie idyllisch aus, heute nicht mehr – im Gegenteil. Das „Technologie-Areal“ ist ungemein gewachsen und wird sich mit Fertigstellung der Bauarbeiten zu den neuen Betriebsansiedlungen die kleine Kapelle einverleibt haben. Während ich nachdenklich ein Foto knipse, wird mir mal wieder bewusst, was aus dem weiten Land meiner Kindheit geworden ist: Ein Gewerbegebiet und eine Schnellstraße. Ja, die gibt es auch, sie hat dem Ort Neutal an der Durchzugsstraße B50 einen Quantensprung an Lebensqualität gebracht. Sowohl Gewerbegebiet, als auch Schnellstraße sind der Lauf der Zeit, machen auch Sinn und bringen etwas – es ist aber nun alles hässlich hier. Und grauenhaft laut, während es früher hier entspannend ruhig war.

die S31 im Hintergrund mit dem zweigeteilten Noppler-Berg

die S31 im Hintergrund mit dem zweigeteilten Noppler-Berg

Früher waren meine Freunde und ich auch oft am Ententeich, den es überraschenderweise noch gibt, liegt er doch unmittelbar neben der Schnellstraße. Ein wunderbarer Abenteuerspielplatz damals. Viel „Landschaft“ gibt es in Neutal nicht mehr, es gibt Dorf, es gibt Industrie & Gewerbe, es gibt wenige Felder und es gibt Wald. Letzterer ist für mich begrenzt nutzbar, da Schranken und Verbotsschilder die Eszterhazysche Gebietshoheit sichern. Ich fahre auf den matschigen Wegen weiter, durchfahre das eine oder andere kleine Schneefeld, unterquere die Schnellstraßenbrücke und fahre noch eine kleine, aber hügelige Extra-Runde über Stoob, weil die Beine heute gut sind. Teilweise brauche ich sie auch in diesem guten Zustand, weil  der Matsch teilweise ungemein tief ist, sodass  das Vorankommen in diesem Morast auch mit 39 x 24 schwierig ist. Zurück dann nach Neutal, wo ich noch beim Schwabenhofer Friedhof vorbeifahre, um noch eine schöne, abschließende Steigung unter das Profil zu nehmen. Dann geht’s  via Schwabenhof gemütlich nach Hause. Trotz des Winterwetters eine tolle Ausfahrt mit viel Gatsch, lässigen Anstiegen und den ersten Grüßen von etwas, das ich ein bisschen Form nennen könnte.

Früher, in meiner Kindheit,  war das alles anders für mich. Heute fühlt sich Neutal kleiner an, aber trotzdem noch ungemein vertraut. Das „Früher“ ist aber auf der heutigen Ausfahrt noch mehr und bewusster zu einer Erinnerung verblichen.

P.S. http://www.neutal.at/gemeinde/panorama/ – ein Blick lohnt sich!

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