Andlersdorf 3 – Das Rennen „Something wrong, but beautiful“

eine woche später bei besserem wetter

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5, 4, 3, 2, 1, ab! Die Veranstalter hatten sogar eine kleine Rampe gebaut, von der die Starter runterrollen konnten. Nur ca. 30 cm hoch und mit einem wackeligen Geländer zum Anhalten, damit man bereits eingeklickt losrollen kann. Vielleicht ist diese Rampe übertrieben, aber dieser kleine Aufbau hat einfach Charme. Diese Art von Charme mag ich besonders und man findet ihn nur bei solchen Rennen.

Während des Einrollens und der Aufwärmphase wurde mir meine durch mangelndes Training verursachte Unförmigkeit nochmals eindringlich vor Augen geführt, die Kopfschmerzen sind auch nicht besser geworden. Und der stürmische Wind hatte sich über dem dreieckigen Kurs über ca. 15 km so gelegt, dass er auf der längsten Geraden, wo’s auch ein wenig bergauf geht, genau von vorne kam. Echte Vorfreude sah anders aus. „Wohl nicht allzu gscheit, heute hier zu starten!“, dachte ich mir.

Als ich mich bei den ersten Tritten in die Pedale stemmte, das Scheibenrad hohl „sprach“ und ich rasch an Geschwindigkeit aufnahm, war die schlechte Laune plötzlich und unerwartet vorbei. Kopf runter, Unterarme auf den Aero-Lenker und sich am Hochgefühl erfreuen. „Nicht übertreiben zu Beginn!“, dachte ich mir, aber das berauschende Gefühl, dem Gegenwind mit einer Geschwindigkeit von an die 40 km/h zu trotzen, siegte über die Vernunft. Nach der ersten Kurve fuhr der Wind seitlich von links in meine Fahrt und es rollt daher nicht gut, außerdem bemerkte ich hier nach dem ersten Drittel der Fahrt, dass das mein Anfangstempo eine euphorische und fatale Übertreibung war.

Zurückstecken. Um die lange Gegenwindgerade auf dem letzten Drittel der Strecke nicht in entwürdigendem Tempo zu absolvieren und insgesamt eine für mich achtbare Zeit zu erreichen, musste ich runter vom Gas. Zu spät trotzdem. Ich fahre meine Zeitfahren immer leicht über meiner Schmerzgrenze, nun hatte ich sie deutlich überschritten. Die Beine schmerzten und verfielen langsam, das Herz ratterte (Pulswerte lt. Pulsuhr: 190 Schläge/min im Schnitt, 199 Maximalpuls) und auch mein Genick sendete erste Schmerzsignale. Zumindest waren mir die Kopfschmerzen nun mehr als egal.

Bevor der Gegenwind kam, gab es aber noch eine Gerade mit Rückenwind. Auch hier ging der Tanz auf schmalem Grat weiter… Persönliche Höchtleistung, oder ein Abrutschen in die Explosion. Geschwindigkeiten an die 60 km/h lösten aber rauschartige Gefühle aus, die den Schmerz kurze Zeit in den Hintergrund treten ließen.

Im Wiegetritt nach einer 90-Grad-Kurve in die Gegenwindgerade. Hier bezahlte ich nun endgültig für meine Anfangseuphorie, rutschte vom schmalen Grat ab und explodierte. Mit Bitterkeit vernahm ich den Verlust der Beinkraft und überhaupt der Mehrheit meines Elans – die Schmerzen aber blieben. Ewig lange Kilometer unter Schmerzen. Die 1000m-Marke entging mir, ich rettete mich mit letzter Kraft und gerade noch akzeptablem Tempo ins Ziel.

„Klingt zwar komisch, is‘ aber so!“, heißt es in der Sendung mit der Maus. Ich mag es, bei Rennen zu starten, wenngleich ich es mehr mag, wenn ich sie mir besser einteile. Das Hochgefühl der Geschwindigkeit und die Endorphine danach entschädigen jedoch bei weitem für das Leiden. Für die Gesundheit ist’s aber vielleicht sogar abträglich. „Something wrong, but beautiful“. Der Song „Grey“ von Paradise Lost, mit dieser Textzeile läuft auf der CD in meinem Autoradio, als ich mein Rad wieder im Kofferraum verstaue. Richtig, so ist es. „So beautiful!“ Link: http://www.youtube.com/watch?v=qf4w1uTJNho

P.S.: knapp unter einem 37er-Schnitt bei Sturm, Unförmigkeit nicht kompletter Fitness. Und ein paar Leute in meiner Wertungsklasse hinter mir. Nicht so schlecht für mich, finde ich, wenngleich es mir schwerfällt zu akzeptieren, dass die Form heuer erst viel später als in den letzten Jahren kommen wird. Wenn überhaupt.

P.P.S.: Bezüglich Sitzposition – Wird Zeit, dass mein 17°-Vorbau kommt… Ich muss vorne mehr runter… Wenn die Form nicht passt, wird an der Position herumgepfuscht 😉

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