Johnny Hoogerland

Hoogerland bei der Ehrung in seiner Heimat nach der Tour - doch etwas nachdenklich, oder?  (c) Sabine Karrer

Hoogerland bei der Ehrung in seiner Heimat nach der Tour – doch etwas nachdenklich, oder? (c) Sabine Karrer

Verpasst. Johnny Hoogerland hat am 13. Mai 2013 seinen 30er gefeiert. Ich wollte einen Geburtstags-Beitrag schreiben, einfach deshalb, weil mich Hoogerland aufgrund seines tragischen Heldentums fasziniert und durch das Beenden einer Tour-de-France-Etappe trotz schweren Sturzes ein Denkmal für die Leidensfähigkeit gesetzt hat.

10. Juli 2011, 9. Etappe der Tour de France, Hoogerland in einer Ausreißergruppe, gemeinsam mit Juan Antonio Flecha, dem Ausreißerkönig Voeckler, Sandy Casar und dem späteren Etappensieger Luis León Sánchez. Auf einem enger werdenden Straßenabschnitt wird an diesem 10. Juli 2011 aus dem Radprofi Johnny Hoogerland der tragische Held Johnny Hoogerland. Ein Begleitauto räumt Hoogerland und Flecha ab. Flecha landet „normal“ auf dem Asphalt, Hoogerland fliegt durch die Luft und landet kopfüber in einem Stacheldrahtzaun. Hier das Video dazu: http://www.youtube.com/watch?v=Gm1JyzDAZaQ. Beide haben Glück, denn der Kontakt zwischen Radsportlern und PKWs endet viel zu oft tödlich.

Hoogerland löst sich aus dem Verbund zwischen Fleisch und widerhakenbesetztem Eisendraht, bekommt eine Ersatzhose für sein zerrissenes Beinkleid, wird verarztet und fährt anschließend ins Ziel. Dort erhält er von Bernard Hinault das gepunktete Trikot des führenden in der Bergwertung, denn er hatte auf dieser Etappe vor dem Sturz fleißig Punkte gesammelt. Er hat seinen Erfolg trotz dieses Sturzes in trockene Tücher gebracht, eine Leistung, die mich wahnsinnig beeindruckt. Hoogerland ist gezeichnet, körperlich sowieso (die Bildersuche bei Google berichtet über schmerzhafte Details aus der Folterkammer des Radsports), aber auch mental. Er beginnt zu weinen. Ich finde, er darf das, bei diesen Schmerzen und aufgrund der Tatsache, dass er beim Sturz nicht weit vom Tod entfernt war, da darf man das. Er sagt in einem Interview, dass er glücklich ist, noch am Leben zu sein und dass er an Wouter Weylandt denkt, der ein paar Wochen zuvor nicht dieses Glück hatte. Er bekommt (gemeinsam mit Flecha) auch noch die rote Startnummer für den kämpferischsten Fahrer der Etappe. Monate später wissen die Medien zu berichten, dass Hoogerland leider Spätfolgen des Crashes mit sich herumtragen muss, Anfang Feber 2013 wird er abermals (diesmal im Training) von einem Auto abgeschossen. Seine letzten Tweeds lassen allerdings hoffen, dass er wieder bessere Zeiten vor sich hat.

Seit dem 10. Juli 2011 kennt man Johnny Hoogerland. Flecha ist übrigens ein ganz normaler, aber äußerst erfolgreicher Profi geblieben, der aber wohl nicht enttäuscht darüber ist, nicht diesen Ruhm seines niederländischen Kollege zu genießen. Sein Palmarés zählt Eckpunkte einer Karriere mit vielen prestigeträchtigen Siegen und tollen Resultaten auf. Hoogerland hat weit weniger Einträge dort stehen. Mich würde interessieren, wie er über diesen Tag der Tour 2011 und über die „Rezeptionen“ über ihn denkt. Ich denke: Er würde wohl sehr gerne auf den Sturz und alles, was damit zu tun hat, verzichten und hätte in seinem Leben lieber das weiße Trikot mit den roten Punkten als einziges Andenken an den 10. Juli 2011.

Für mich ist Johnny Hoogerland jedoch mehr als nur ein schwer gestürzter Fahrer. Wieder aufstehen. Auch wenn es furchtbar schmerzt und schon geschmerzt hat. Auch wenn es knapp war. Auch wenn es das Schicksal nicht so gut gemeint hat. Nicht aufgeben und die Erfolge, die man bis dahin erreicht hat, ins Ziel bringen. Übrigens auch für den Alltag anwendbar.

P.S.: Ich möchte auch auf die total lässigen Blogs der Fotografin des Hoogerland-Fotos, die mir dieses dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat, hinweisen: http://www.wortvoll.net und http://www.froschkoeniginnen.net

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