Schaler Beigeschmack

Jan Ullrich postet auf Facebook. Er verlinkt eine Website: Bald zeigt „Das Erste“ in der Sendung „Gott und die Welt“ eine Sendung über ihn und den Musiker Konstantin Wecker. „Gott und die Welt“… Aha. „Vom Sockel gestürzt“, heißt es in der Überschrift des Artikels. „Tiefer Fall aus Promi-Höhen“ der Untertitel.

Ullrich, der gefallene Sportheld, der Sportbetrüger, der gedopt hat und sich erdreistete, „es“ nicht öffentlich zuzugeben, wofür ich ihm Respekt zolle: Er hat sich dem medialen Druck nicht gebeugt. Ob und wie man etwas öffentlich, im privaten Bereich oder sonstwo zugibt, um sich und sein Gewissen zu erleichtern, geht die mMn die Medien oder die Öffentlichkeit einen feuchten Kehricht an. Wenn ich etwas ausgefressen habe, muss ich es mit mir ausmachen, wie ich damit umgehe. Persönlich denke ich, dass er „es“ zugeben hätte können, aus der Verantwortung heraus, die er als Sportheld hatte, aber nur aus eigenem Antrieb und nicht weil ihm es irgendwer (und schon gar nicht die deutsche Sportjournaille) anschafft. Er hat sich anders entschieden. Das muss man auch respektieren.

Er ist tief gefallen, er hat neben dem Heldentum auch seine (psychische) Gesundheit verloren (auch bei Konstantin Wecker ging viel verloren, Kokain, Schulden, Häfn waren Eckpunkte seiner Geschichte). Und alle waren sie da, um fleißig auf Ullrich einzudreschen. Natürlich hat er ordentlich was ausgefressen. Meiner Meinung nach zumindest – wobei ich jetzt gar nicht weiß, ob Ullrich tatsächlich irgendeine Strafe im (sport-)juristischen Sinn für Doping ausgefasst hat, d.h. tatsächlich schuldig gesprochen wurde. Die Zeiten waren damals im Profi-Radsport so, wie sie eben waren, Ullrich nicht der einzige Athlet, der wohl regelwidrig nachgeholfen. Und dass dann ordentlich unangenehmes Medienecho hallt, ist klar, so läuft das Sport-Business. Das Echo hallte allerdings sehr oft und äußerst heftig wider. Und es ging weit über das „normale“ Maß hinaus. Auf ein ziemlich unwürdiges Level. Weit entfernt von angemessener kritischer Berichterstattung. Was wäre eigentlich gewesen, wenn’s Armstrong gleichzeitig mit Ullrich aufgestellt hätte?

Mit dabei natürlich die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten. Sie haben bei der medialen Hinrichtung fröhlich ohne journalistisches Ethikdenken mitgemacht. Seit Ullrich’s Fall inkl. Karriereende übertragen sie diese Behandlung auf den Profi-Radsport, während sie Missstände in anderen Sportarten tw. nicht einmal ignorieren. Und nun die Doku über Ullrich’s rasanten Abstieg und wie er sich wieder erfangen hat. Hier schmeckt‘s nun schal und bitter. Federführend mit dabei sein bei der fröhlichen Hatz und dann eine Doku darüber machen, mit zu Ullrich’s Absinken in psychische Krankheiten beigetragen zu haben und nun die Geschichte dazu erzählen. Sich hinterfragen, das dürfte keine Stärke von ARD und ZDF sein. Das nehme ich vorweg, ohne die Sendung überhaupt gesehen zu haben (Das Erste – Sonntag, 23.6. um 17:30).

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