Jan, warum jetzt?


Er hat’s nun doch gestanden. Nicht dass durch seine Aussagen etwas großartig Neues ans Licht gekommen wäre. Und mit dieser Aussage erleben wir wieder das „übliche Gesudere“ (ich werde Herrn Alfred Gusenbauer für diesen Spruch ewig dankbar sein) und „G’scheites“ von vielen Seiten. Er hätte Dieses und Jenes sagen sollen, Gewissen erleichtern, viel zu spät, usw. Alles schon da gewesen, inkl. dem riesigen Medienecho.

Mir hat bis jetzt immer gefallen, dass Ullrich nicht dem öffentlichen Wunsch, alles und vollständig zu gestehen und sich dabei als ein Häufchen Elend darzustellen, nachgegeben hat. Nun scheint es auf den ersten Blick so, als ob er diesem nun doch nachgegeben hätte. Aber nur auf den ersten Blick. Ullrich wirkt, seine letzten medialen Auftritte betrachtend, als ob er mehr als ausreichend Abstand zum Radsport erlangt hätte. Wurschtigkeit, emotionaler Abstand. Ullrich sagt, was ER will, ist nicht eingeknickt und plaudert keinesfalls den Wünschen der Sportwelt nach.

Die gerade auf dem korrektesten Fernsehsender der Welt laufende Doku „Gott und die Welt“ (LINK) von heute bestätigt dieses Bild nochmals. Er hat so viel von seiner Geschichte abgestreift, mMn berührt ihn der Profiradsport inkl. seiner Dopingvergangenheit nicht mehr. Durch das Geständnis werden nun wohl aber diverse juristische Dinge auf ihn zukommen, Menschen, die sich in seinem Licht gesonnt haben, werden nun moralisch hinterfragbar Regress fordern. Dafür wünsche ich ihm alles Gute, das wird nicht leicht für ihn.

Aber warum gerade jetzt, eine Woche vor dem Grand Départ? Jedes Jahr im Juli nutzen die 11 Monate lang ignorierten Dopingjäger die Tour de France um einen Schritt aus ihrer Bedeutungslosigkeit zu machen – irgendeinen gedopten Idioten finden sie ja leider immer. Die Medien freut’s, Doping in aller Munde, der Sport im Hintergrund. Jan, Du weißt doch, dass dies der blödeste Zeitpunkt für so etwas ist?! Du weißt doch, was Deine Worte für die aktuellen Sportler, die im Vergleich zu Deiner Fahrergeneration viel sauberer unterwegs sind, bedeuten?! Warum hast Du das nicht schon im Winter gestanden, z.B. gleichzeitig mit Lance? Warum hast Du nicht die Tour abgewartet? Deine Vergehen sind Jahre her und Du hast es geschafft, dass zur Tour wieder das Thema Doping im Vordergrund steht.

Ich mag Jan Ullrich, soweit ich ihn in meiner Rolle als Fan mögen kann, genau kennt man ja die Stars nicht – auch die vielen Facetten seiner sportlichen Karriere und die Schattenseiten seiner Person als gefallener Held nach dem Profisport. Aber der Zeitpunkt seiner Aussagen ärgert mich. Der Zeitpunkt vor der Tour macht sie so nützlich wie einen Fußpilz.

Advertisements
7 Kommentare
  1. Alex sagte:

    Es war ja eigentlich eh allen klar, aber der Zeitpunkt ist medial extrem ungünstig 😉
    Gruß

    • immer zur tour… auch ein zeichen, wie unbedeutend dopingbekämpfung eigentlich ist und wie ernst sie genommen wird, wenn die dopingjäger immer nur zur tour gehört werden. dopingfälle aus dem jahr 2004 werden exakt zur tour 9 jahre später veröffentlicht – nur um ein beispiel zu nennen. und die scheinheiligen medien sind immer mit dabei. der sport wird der realität immer ähnlicher 😉

  2. Sollen sie ihn doch jetzt in Frieden leben lassen. Das alles liegt lange zurück, für ihn ist das wohl auch mental weit weg. Aber sie werden wohl keine Ruhe geben, weil er sich eben nicht reuig in den Staub geschmissen hat, vor die Füße all jener, die in ihrem Leben nie eine besondere Leistung vollbracht haben. Die andere herabwürdigen müssen, um sich selbst größer zu machen, ohne irgendeine weitere eigene Anstrengung. Deshalb wird halt immer weiter, immer wieder nachgehakt und weil man es nicht mit einem abgezockten, aalglatten Medienprofi zu tun hat, bekommt man Reaktionen, die sperrig oder unverständlich erscheinen.

    Ich überlege mir manchmal, wie das wohl gewesen wäre, mit Anfang 20 der Held einer Nation zu sein mit allem, was dann auf mich einstürmt, gemessen an dem Unsinn, den ich damals gemacht und auch geredet habe…

    • da hast 2 mal recht 🙂
      ja, auch bei mir… weiß nicht, wie ich mit solch heldentum umgegangen wäre… aber auch im „normalen“ leben gibt’s oft situationen, wo man exponiert ist, irgendwie im mittelpunkt steht, viele auf einen schau’n und viell. noch etwas erwarten… da hat man das ganze dann auch, wenngleich auch in viel viel viel kleinerem rahmen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Rennradblog Geradeaus

Rennradfahren, Essen und Spaß am Leben.

emme-eppe

die Magie der kleinen Dinge

VeloKick.net

laufen - rollern - radeln

Takeshi fährt Rad

Frau, Stahl, Asphalt, Kilometer.

Wiener Bahn-O-Rama

#gofastturnleft

Drei Engel für Ötzi

Rennrad-Transalp mit Marina, Anne und Dani

Die Rennschnecke

Lauf- und Triathlon-Blog

Eiswuerfel Im Schuh

DAS Triathlon & Fitness Blog - ein Blog von einer Triathletin und einem begeisterten Sportfotografen mit Wettkampfbeschreibungen, Trainingsgeschichten, Veranstaltungsbeiträgen, Fotostrecken für Sportunternehmen, Reiseberichte, Tech-Talks, Rezepte,…

diegneistdotcom.wordpress.com/

Personal- und Organisationsentwicklung

Triathlove

Drei Sportarten, zwei Wechsel, eine Liebe.

Auf dem Weg zum Ironman

Training, Strecken, Material, Tipps und alles was man noch so beim Trithlon erleben kann.

mweihrauch.de

Lauf- & Triathlonblog: Hier raucht's richtig

die rote laterne

am ende des hobby-pelotons

Triathlon statt Rollstuhl

Wie sich eine junge Frau trotz Multipler Sklerose nicht unterkriegen lässt und ihren Traum vom Triathlon erfüllt

%d Bloggern gefällt das: