Vive le tour! Es muss sein – ein Vorbericht

peloton

Es muss sein – ein Vorbericht und viele Namen

Als radsportbegeisteter Mensch, der noch ein wenig bloggt, kann ich nicht daran vorbei. Unmöglich. Es muss ein Vorbericht zur 100. Tour de France her. Klugscheißereien über die Favoriten für Gelb. Voranalysen zu den schnellen Männern, von den sich einer am Champs Élysées das grüne Trikot von Bernard Hinault anziehen lassen möchte. Ratespiele, wen wohl epische Bergfahrten in weiß mit den unverwechselbaren roten Punkten (in Österreich wohlbekannt: „Der Kohl hat ja sowas gehabt, bevor sie ihn…“) hüllen werden. Und wer der jungen „Strafgefangenen der Landstraße“ wird die Nachwuchswertung gewinnen und das Trikot in unverbrauchtem Weiß nach Hause nehmen? In Paris diese Trikots als Sieger dieser Wertungen zu tragen, ist das Ziel. Aber ein Wertungstrikot auch nur an einem Tag zu tragen, gleicht einem Ritterschlag im Radsport. Aber abgesehen davon: Der Radsport lässt neben dem Wettbewerb um diese prestigeträchtigen Trikots noch viel Raum für weiteren Ruhm – 21 Etappen sind 21 Chancen für Fahrer, einen markanten Eintrag in ihre Palmarés zu machen.

Zu so einem Sportereignis gehört natürlich auch ein Tippspiel unter ArbeitskollegInnen. Nach vielen fußballerischen Groß- und Kleinereignissen, die im Büro am Whiteboard gewissenhaft vorhergesagt wurden, steht dort nun eine Tabelle mit den Worten „Gelb“, „Grün“, „Berg“ und „Weiß“. Darunter hängt ein Etappenplan für die erste Woche. Es stehen auch schon erste „Forecasts“ (dieses Wort muss hier sein – ich arbeite im Controlling) drinnen. Mal sehen, ob Kollegin M. „uns“, d.h. die männliche sportbegeisterte Mehrheit der Abteilung, wieder mal bei einem Tippspiel haushoch schlägt. Vergesst die Wettquoten der Wettanbieter – am Whiteboard im Büro zählt’s!

Das gelbe Trikot. Die komplettesten Fahrer

Die Eintrittskarte in den Hochadel des Radsports, 50 % auf dem Weg zur Legende sind mit dem Sieg bei der Tour erreicht. Im Vorfeld wurde in Zusammenhang mit dem Favoritenstatus nur über den kenianischen Engländer Chris Froome und den nun ausnahmsweise mal nicht gesperrten Spanier Alberto Contador geschrieben – scheint demnach so, als ob es ein Duell geben wird. Sky-Technokratie, schon fast so wissenschaftlich wie in der Formel 1, vom Sky-Team für Froome gegen rennfahrerische Klasse im Team Saxo-Tinkoff für Contador. Wird spannend. Ich denke aber nicht, dass beide auf den Plätzen 1 und 2 auf dem Podium in Paris stehen werden. Einer wird schwächeln, denke ich. Und wenn die ganzen Co-Favoriten in Form sind und ein Angriffs-Feuerwerk abbrennen? Dann ist vieles Möglich. Ich hoffe, sie haben, die Form vorausgesetzt, auch den Mut dazu.

Wer kommt mMn noch in Frage? So einige nehmen sich zumindest die Top-10 im Gesamtklassement vor. Die Tour hat aber schon sehr sehr oft für gescheiterte Favoriten und Überraschungen gesorgt. Ich nenne einmal ein paar, die ich sehr gerne als Gefahr für die beiden Top-Favoriten sehen würde: Jean-Christophe Péraud (FRA; AG2R La Mondiale), Robert Gesink (NED, Blanco), Jakob Fuglsang (DAN, Astana), Cadel Evans (AUS, BMC) ,Tejay van Garderen (USA, BMC), Pierre Rolland (FRA, Europcar), Thibaut Pinot (FRA, FDJ), Andy Schleck (LUX, Radioshack-Leopard), Thomas de Gendt (NED, Vacansoleil-DCM), Brice Feillu (FRA, Sojasun), Nairo Quintana (COL, Movistar), Alejandro Valverde (ESP, Movistar), Jurgen van den Broeck (BEL, Lotto-Belisol), Ryder Hesjedal (CAN, Garmin-Sharp), Joaquim Rodriguez (SPA, Katjusha), Andreas Klöden (GER, Radioshack-Leopard), Rein Taaramae (EST, Cofidis), Richie Porte (AUS, Sky), Roman Kreuziger (CZE, Saxo-Tinkoff). Und noch einige andere, ich freue mich auf neue Gesichter im Rampenlicht. Meine Kollegin M. und meine Kollegen sehen übrigens Contador und Froome ganz vorne… Hmmm… ich muss da wohl doch was anderes tippen…

Grün. Die Farbe der schnellen Männer

„Flamme Rouge“, oder auch „Teufelslappen“. Ein kleines, rotes Dreieck, montiert auf einem Bogen über der Straße zeigt den letzten Kilometer einer Etappe an. Ist die Etappe flach, gibt es oft einen Massensprint. Beschreibungen in schriftlicher Form reichen nicht aus, um „so etwas“ zu beschreiben. Hochleistungsport in atemberaubender Form. Im heutigen Peloton fast ausschließlich ausgewiesene Spezialisten für solche Etappenankünfte. Die Zeiten, in denen ein Bernard Hinault im gelben Trikot um den Sieg im Massensprint einer Flachetappe (gesehen auf der Champs Élysées in Paris) mit sprintete, sind vorbei.

Wer fühlt sich in diesem Metier wohl? Auch hier wird allerseits, auch am Whiteboard im Büro, ein Zweikampf erwartet. Der ultraschnelle Sprint-Giftzwerg von der Isle of Man, Mark Cavendish (GBR, Omega Pharma – Quick Step) gegen das Ausnahmetalent Peter Sagan (SVK, Cannondale), dem viele sogar den Tour-Sieg zutrauen, sollte er sich in ein paar Jahren entscheiden, ähnlich wie Toursieger 2012, Bradley Wiggins, ein paar Kilo an Körpermasse einzusparen. „Cav“ ist endschneller und hat heuer wieder einen eigenen Sprintzug, Sagan kann auch Etappen mit schwierigerem Profil gewinnen. Vielleicht stören aber auch die schnellen Deutschen, „Gorilla“ André Greipel (Lotto-Belisol) und Marcel Kittel (Argos-Shimano). Und noch ein paar würde ich vorne sehen: Nacer Bouhanni (FRA, FDJ), Alexander Kristoff (NOR, Katjusha), Matthew Goss (AUS, Orica-Greenedge), José Joaquin Rojas (ESP, Movistar), Roberto Ferrari (ITA, Lampre-Merida).

Bergauf. Bergflöhe, Bergziegen, usw. Das gepunktete Trikot

Die Rennsituation wird’s zeigen. Eine Wertung, die sogar ein ausgewiesener Nicht-Bergfahrer wie Laurent Jalabert, gewonnen hat. Schwer vorherzusagen. Fahrer, die sich im Gesamtklassement etwas ausrechnen, müssen auch klettern können und sind somit Kandidaten für den Sieg in dieser Wertung. Aber ob „man“ sie je nach Rennsituation fahren lässt, um die Punkte der Bergwertungen abzuräumen, ist schwer vorhersehbar. Denn gerade die Rennsituation kann auch andere Fahrer hier an die Spitze bringen, wer kann fahren, wer darf fahren, wer will fahren, etc. Ein Fahrertyp à la Jalabert war aber eher die Ausnahme von der Regel – „schmalpickte“ Fahrer sind hier eher zu favorisieren, man kann sie meist von den (für Radsportler betrachtet) „dicken“ Sprintern ganz gut unterscheiden. Habe ich schon die Rennsituation erwähnt, die hier maßgeblich ist? Man wird sehen. Derzeit auf meiner gepunkteten Liste: Igor Anton (ESP, Euskaltel-Euskadi), Thomas Voeckler (FRA, Europcar), Bauke Mollema (NED, Blanco), Daniel Navarro (ESP, Cofidis), Mikel Nieve (ESP, Euskaltel-Euskadi), Damiano Cunego (ITA, Lampre-Merida), Andrew Talansky (USA, Garmin). Aber man muss die Rennsituation abwarten…

Weiß. Das Versprechen für Gelb in der Zukunft

Weiß und Gelb wurden auch schon von einem Fahrer gewonnen, das ist auch ein Ansatz: Gleich als Junger Gelb holen und nicht erst nur das weiße Trikot, auf das erst in späteren Jahren das gelbe Trikot folgen soll. Gesehen z.B. beim leider schon verstorbenen Laurent Fignon (FRA), Jan Ullrich (GER) oder Alberto Contador (ESP). Die „White-List“ zieht eine 26-Jahre-Grenze in die Liste der Kandidaten für Gelb ein: Nairo Quintana (COL, Movistar), Tejay van Garderen (USA, BMC), Thibaut Pinot (FRA, FDJ) könnten hier ganz vorne sein. Evtl. ist aus den oben genannten Kandidaten für Gelb noch jemand im Alter für Weiß. Ich bin aber zu faul, um nachzusehen.

Etappenjäger. „Heros, just for one day”

Helden für einen Tag. Aber Ruhm für ewig. Es sei denn, der Tour-Etappensieger kommt aus Deutschland oder Österreich. Wobei. Das Programmheft des Magazins „Tour“ zeigt Georg Totschnig beim Sieg Anno 2005 in Ax-3 Domaines. Ein Bruchteil des ewigen Ruhmes zumindest.

Etappenjäger. Keine Leute, die supergut klettern oder superschnell sprinten können, aber dafür Renninstinkt, Mut und „Punch“ haben. Das Etappenprofil muss natürlich auch zu ihnen passen. Oder sie können doch supergut klettern, ultraschnell sprinten und die Rennsituation – hier ist sie wieder, die große Unbekannte – ergibt eine spezielle Konstellation und spült sie an die Spitze… Aber die Rennsituation muss man erkennen und ausnützen!

Wer kann so etwas? Alle bisher genannten… und auch noch viele mehr, wenn sie von ihrem Team „freie Fahrt“, losgelöst von taktischen Zwängen oder Helferdiensten, bekommen. Somit eigentlich fast alle Fahrer im Peloton – je nach Rennsituation 😉 Wünschen würde ich mir: Lars Boom (NED, Blanco), Sylvain Chavanel (FRA, Omega Pharma – Quick Step), David Millar (GBR, Garmin-Sharp) oder auch Moreno Moser (ITA, Cannondale). Tony Martin (GER, Omega Pharma – Quick Step) ist übrigens DER Favorit für die Zeitfahr-Etappen.

Advertisements
4 Kommentare
  1. philo sagte:

    sehr schöne Vorschau, waren zwar keine neuen Eindrücke, da es eh gefühlte tausend vorschauen gibt, aber dafür umso unterhaltsamer. „Am Whiteboard zählt’s“ genial. 😀

    Sehe es übrigens überraschend häufig so wie du, euskaltel für die Berge hochinteressant bzw Bergwertung

    • –> jepp! es gibt unzähliche vorschauen – offensichtlich gibt’s auch noch viele radsportfans, die so einen inneren zwang haben, wie ich 😉 den konnte ich befriedigen 😉 der hauptgrund war aber, meinen kolleginnen und kollegen für das tippspiel viele namen von möglichen protagonisten zu liefern – allseits bekannte radsportler gibt’s ja nicht allzu viele. einmal wird’s aber noch zwanghaft… der nachbericht 😉
      –> ja, quintana habe ich auch auf der rechnung (allerdings debütant – hmmm… so eine fignon-geschichte von 1984 wäre aber lässig) und ich würde sehr gerne ein baskisch-oranges feuerwerk in den bergen sehen!
      –> meine kolleginnen und kollegen sind zwar nicht allzu radsportbegeistert, ich freue mich aber, dass ich ihnen zumindest ein kleines bisschen von diesem wunderbaren sport auf diese art und weise zeigen kann – vor allem freue ich mich aber auch über ihre rückmeldungen 🙂
      –> jedenfalls ist die vorfreude riesengroß. 3 wochen radsportwahnsinn 🙂 und zum drüberstreuen ist die österreichrundfahrt heuer toll besetzt und ich werde mir die letzten beiden etappen live ansehen können… genannt haben cancellara, hushovd, ballan, boonen, ciolek, van avermaet, pinotti,…

      • philo sagte:

        cool. Ich war ja nur 1x bei ner Niedersachsen Etappe – Petacchi hat gewonnen. Aber hab mir fest vorgenommen mal ne GT, am besten die Tour, live zu sehen. 🙂

        Das Gefühl mit der Vorschau kenne ich nur zu gut… 😀 well done.

  2. philo sagte:

    … Froome und Contador werden es wohl unter sich ausmachen, auch wenn man hofft, dass da andere noch reinfahren können. Aber das Feld und die potentiellen T10 Kandidaten sind dieses Jahr sehr gut auch von der Quantität her, dass Angriffe kommen werden/müssen, die die beiden evtl. auch mal überraschen, weil alles und jeden Kontern geht nicht. Leider aber Porte und Kreuziger, Roche, Rogers nicht die schlechtesten Teamkollegen.

    Grün holt Sagan, im Sprint holt er paar Punkte und auf den schwereren holt er meist alle, prognostiziere ich mal. Greipel und vor allem Kittel sind am Berg zu schwach, als das sie ernsthafte Alternativen für Grün wären.

    ich erwarte sehr viel von Quintana. 2 Monate in Kolumbien vorbereitet und starkes Frühjahr. Glaube nicht, dass Valverde als Kapitän aus der Tour geht.

    Was hast du denn für Kollegen, bei meinen ist die Radsportbegeisterung nahe dem Gefrierpunkt… 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

CyclingClaude

Cycling Claude - der Blog für Kettenhelden

Rennradblog Geradeaus

Rennradfahren, Essen und Spaß am Leben.

emme-eppe

die Magie der kleinen Dinge

Takeshi fährt Rad

Frau, Stahl, Asphalt, Kilometer.

Wiener Bahn-o-rama

#gofastturnleft

Drei Engel für Ötzi

Rennrad-Transalp und mehr mit Marina, Anne und Dani

Die Rennschnecke

Lauf- und Triathlon-Blog

Eiswuerfel Im Schuh

DAS Triathlon & Fitness Blog - ein Blog von einer Triathletin und einem begeisterten Sportfotografen mit Wettkampfbeschreibungen, Trainingsgeschichten, Veranstaltungsbeiträgen, Fotostrecken für Sportunternehmen, Reiseberichte, Tech-Talks, Rezepte,…

diegneistdotcom.wordpress.com/

Personal- und Organisationsentwicklung

Triathlove

Drei Sportarten, zwei Wechsel, eine Liebe.

Auf dem Weg zum Ironman

Training, Strecken, Material, Tipps und alles was man noch so beim Trithlon erleben kann.

mweihrauch.de

Lauf- & Triathlonblog: Hier raucht's richtig

die rote laterne

am ende des hobby-pelotons

Triathlon statt Rollstuhl

Wie sich eine junge Frau trotz Multipler Sklerose nicht unterkriegen lässt und ihren Traum vom Triathlon erfüllt

%d Bloggern gefällt das: