Die Erbsünde

Am 18.7.2013, am Tag, an dem die Königsetappe der 100. Tour de France 2 mal über die berühmten 21 Kehren nach Alpe d’Huez führt, sollte wieder mal ein Dopingbericht veröffentlicht werden (der Bericht kommt nun doch nach der Tour). Die Medien wissen mehr über das Jahr, aus dem die Proben stammen. 1998 und/oder 2004. Ich weiß es nicht genau, bin aber zu faul, um zu recherchieren.

15 Jahre danach oder 7 Jahre danach. Lächerlich, aber konsequent. Laurent Jalabert, französischer Nationalheld soll mit einem positiven Dopingtest dabei sein. Ebenfalls Marco Pantani – es wird sogar angedacht, Marco Pantani den Toursieg 1998 abzuerkennen. Falls Pantani’s Grab eine entsprechende Inschrift trägt, wäre diese dann wohl auch zu entfernen. Konsequent wäre auch, gleich ehemalige, verstorbene Sieger wie Koblet, Coppi, Bobet oder Anquetil, zu exhumieren und nachzutesten. Aberkennung sämtlicher Palmarés inklusive. Vielleicht sollten sie sogar Maurice Garin, der als erster Toursieger 1903 ein Prophet des Sündenfalls war, ausgraben.

Eine Fahrerdelegation aus dem Fahrerfeld der diesjährigen Tour wurde bei der französischen Sportministerin Valerie Fourneyron vorstellig und hat gebeten, dass dieser Bericht erst nach der Tour veröffentlicht wird. Die aktuelle Generation hat es satt, für die Sünden der Vergangenheit zu bezahlen. Aufklärung mag wichtig sein, das Business funktioniert hier allerdings so, dass die aktuell aktiven Radsportler für etwas bezahlen müssen (v.a. imagemäßig und mit sämtlichen finanziellen Folgen daraus), was sie nicht verschuldet haben. Die Frau Ministerin hat Verständnis, erkennt auch die Position der Medien und meint, dass „die Medien den Radsport gelyncht habe.“ Der Bericht kommt nun tatsächlich nach der Tour. Es geschehen doch noch Zeichen und Wunder.

Hier wird’s nun wirklich katholisch. Adam & Eva, der Sündenfall lebt als Erbsünde in uns Menschen weiter. So die bescheuerte Theorie. Sünde ohne Schuld.

Im Radsport weiß man, was das heißt. Der durchschnittliche Profi von heute war 1998 noch sehr jung, zu jung für den Profisport. Er trägt aber die Erbsünde in sich, er kann zwar nix dafür und ist meist noch nicht auffällig bezüglich Doping geworden. Er hat aber quasi gedopt, passiv gedopt oder so. Das ganze Peloton muss diese Sünde mit sich tragen, ewige Fragen beantworten, sich rechtfertigen, mehr über Doping als den Sport selbst sprechen. Von den entwürdigenden Anti-Doping-Maßnahmen, die leider notwendig sind, weil’s immer wieder Spezialisten gibt, möchte ich hier gar nicht schreiben. Sport als Passion, in doppelter Hinsicht.

Auch ich, als Hobbysportler und Fan trage diese Sünde der theologisch-dogmatischen Definition auf gewisse Art und Weise in mir, ich glaube, es begann, als ich das erste Mal ohne Stützräder alleine fahren konnte, damals, als die Saat des Radsportvirus langsam zu keimen begann. Damals wusste ich noch nicht, was da alles auf mich zukommen würde, v.a. weil die Radsportleidenschaft eine etwas längere fußballerische Pause machte. Ich stecke aber heute mit im Sumpf drinnen. Das meist wenig fundierte, oberflächliche und auch diskriminierende Dopinggerede (und natürlich das Geschreibsel der Journaille), immer und überall wenn es um Radsport geht, betrifft auch mich massiv, es ärgert mich, manchmal schmerzt es mich auch (sehr).

Einerseits freut es mich, dass ich Fan eines Sports bin, der als Ganzes selbstkritisch mit sich umgeht. Dass der Radsport damit alleine dasteht und sowohl für Vergangenheitsbewältigung, als auch ehrlicher und konsequenter Sanktionierung aktueller Dopingsünder Prügel kassiert, stört mich massiv.

Und überhaupt – was kann ich dafür?

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