Der Bademeister

zeitfahren podersdorf - auf dem weg ins gelbe trikot

zeitfahren podersdorf – auf dem weg ins gelbe trikot

Podersdorf am Samstag, dem 6. Juli 2013, vorletzte Etappe der Österreich-Rundfahrt 2013, Einzelzeitfahren. Kurz nach 4 Uhr Nachmittag. ER ist mit einer super Zeit ins Ziel gekommen und führt momentan das Gesamtklassement der Rundfahrt an. Nun ist es still. Auch Harry Mayer, die Stimme der Österreich-Rundfahrt, schweigt. Alles wartet auf den 2 Minuten später gestarteten Mann im gelben Trikot, Kevin Seeldraeyers. Ich stehe im Schatten eines Baumes und höre den Wind, der durch die Äste und Blätter fährt. Plötzlich kommt Jubel auf. Seeldraeyers, der die schwierigen Bergankünfte im Kühtai und am Kitzbühler Horn gewonnen hat, hat nun Verspätung. Ausreichend Verspätung. Es reicht für IHN.

Normalerweise heißt das, dass ER auch die Rundfahrt gewinnt, auf der letzten Etappe von Podersdorf nach Wien, der Tour d’Honneur, bei der es zum Abschluss noch 10 Runden auf der Wiener Ringstraße zu absolvieren gilt, wird nicht mehr attackiert. So sagt es das ungeschriebene Gesetz des Radsports, auch an diesem Sonntag, dem 7. Juli 2013. Für IHN sieht es gut aus, ein übersichtliches Rennen, keine Hektik, ER fährt stets im vorderen Drittel des Feldes, dort wo weniger Stürze passieren, SEINE Mannschaft passt auch auf IHN auf. Begleitet wird ER auf dieser letzten Etappe von vielen internationalen Stars mit beeindruckendem Palmarés, wie z.B. Fabian Cancellara, Thor Hushovd, Gerald Ciolek, Marco Pinotti, oder Ivan Basso, auch die heimische Elite um Bernie Eisel ist dabei.

ER kommt ins Ziel vor dem Burgtheater. Auf den letzten 500 m vor dem Ziel habe er realisiert, was ER geschafft hat. Auch sei IHM ein großer Stein vom Herzen gefallen. Eine herrliche Siegerehrung folgt, etwas provinziell, wie sich’s für die Österreich-Rundfahrt gehört, aber trotzdem herrlich pathetisch: Die Bundeshymne ertönt, auch Fendrich’s Österreich-Hymne wird gespielt, es gibt viel Jubel. Ein paar Sponsorenhanseln, die auch noch extra erwähnt werden müssen, stehen auch noch auf der Bühne, ER bekommt noch das gelbe Trikot zum letzten und wichtigsten Mal bei dieser Rundfahrt angezogen (Bernard Hinault könnte den rückseitigen Reißverschluss nicht besser zuziehen) und nimmt auch noch Gratulationen von seiner Eminenz (ja, so wurde er dem Publikum vorgestellt), dem Botschafter von Kasachstan, Kairat Abdrakhmanov ,entgegen. Der ist auch wieder da, weil die Rennfahrer aus dem kasachischen Rennstall Astana bei der Österreich-Radrundfahrt meistens sehr gut sind. Auch heuer haben sie alle Wertungen, bis auf das Gesamtklassement und die Nachwuchswertung gewonnen und auch noch 2 Fahrer auf das Podium gebracht. Und Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist auch wieder da, was auch irgendwie sympathisch ist (obwohl er mir relativ wurscht ist), denn die anderen „Größen“ der österr. Politik lassen sich lieber das Gesicht in Kitzbühel oder bei Länderspielen lecken. Die angebliche Radfahrerpartei glänzt im Wiener Radjahr 2013 ebenfalls durch Abwesenheit, was mich allerdings mehr wundert, als stört. Auch hat das Trikot der Punktewertung sponsorbedingt eine andere Farbe 😉 Blumensträuße, eine riesige Bergsteigerwurst für den Sieger der Bergwertung, Sektspritzerei und Siegerehrungstussis äh Podiumsgirls gibt’s auch noch. Was will man mehr? Heimsieg. ER genießt die Momente.

Von seinen Freunden wird ER „Bademeister“ genannt, weil er meist schön gebräunt ist, auch im Winter. Lustiger Spitzname, den ich aber doch auch etwas bescheuert finde. Wenn ich allerdings so gut radfahren könnte, wie er, dann würde ich noch vielfach dümmere Kosenamen mit Dank entgegennehmen.
Noch traumatisiert von der letzten „Lichtgestalt“ des österreichischen Radsports, der mittlerweile als tüchtiger Geschäftsmann agiert, hoffe ich nun inständig, dass der „Bademeister“ sauber ist und sauber bleibt. Es ist nicht Misstrauen, denn ER hat zweifelsfrei Talent. Es ist eher die Angst, dass ich wieder an den Anfangssatz der Wolf-Haas-Krimis denken muss: „Jetzt ist schon wieder was passiert.“

Aber was war, kann niemand mehr nehmen. Es waren tolle Momente für mich als Radsportfan. Danke vielmals und herzliche Gratulation, Riccardo Zoidl.

er in gelb

er in gelb

der minister

der minister

seine exzellenz

seine exzellenz

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4 Kommentare
  1. Alex sagte:

    Echt beeindruckend was der Riccardo Zoidl abzieht. Klasse Saison, wird ihn zur PT bringen 😉

  2. Alex sagte:

    —–> Hat vor kurzem bei Trek unterschrieben 🙂

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