Woche des Regenbogens

Im September ist immer WM. Für mich heißt das, dass ich mich nach ca. 2 Monaten Distanziertheit nach der Tour, die auch für mich als Fan ob der langen Übertragungen und der dadurch hohen Anforderungen an das Zeitmanagement, anstrengend ist, nun wieder intensiver der Profiszene widme.

Weiters heißt es für mich, dass nun ausschließlich nur mehr am Cyclocross-Rad sitze (sofern ich Zeit zum Trainieren habe) und die Straßenrenner bis ca. April an der Wand hängend verstauben. Und ich erinnere mich wieder daran, dass Crossen einfach so unglaublich viel Spaß macht.

Und es heißt auch: Ich habe jeden Herbst gesundheitliche Probleme mit der Übergangszeit, eine Verkühlung stellt sich stets zeitgleich mit den fallenden Blättern ein. Die Gegenstrategie für heuer heißt: Eine Woche Urlaub nach der Rad-WM und etwas ausruhen. Mal sehen, ob die Verkühlung sich davon beeindrucken lässt.

Die Siegerin oder der Sieger eines Weltmeisterschaftsrennens darf für ein Jahr ein weißes Trikot mit dem besonderen Brustring in der speziellen Farbkombination tragen. Warum eigentlich Regenbogen? Blau-Rot-Schwarz-Gelb-Grün ist ansich keine lichtbrecherische Farbkombination. Man wollte es sich offensichtlich einfach machen. Neben dem magischen Gelb hat der Regenbogen eine besondere Aura im Radsport. Allerdings nicht nur eine positive: Man spricht auch vom Fluch des Regenbogentrikots, das dem Träger im kommenden Jahr Misserfolge und sogar Verletzungen bringt, in Ausnahmefällen sogar die Karriere knickt. Aber der Regenbogen ist grundsätzlich positiv behaftet, ähnlich positiv wie das Goldfass, dass es dort, wo er die Erde berührt, angeblich zu finden gibt.

Tolle Rennen fanden während der WM in Florenz statt, gekrönt von einem äußerst schwerem, fast epischen Straßenrennen der Männer vom heutigen Sonntag – unzählige Höhenmeter und fast die ganze Zeit Regenwetter. Rui Costa aus Portugal war der schlaueste, härteste und glücklichste heute. Die italienischen Hausherren wurden durch den Sturz ihres Chefs (Vicenzo Nibali) ausgebremst, die Belgier um Philippe Gilbert zeigten sich schwach. Dem patriotischen Herz des Radsportfans wurden neben einer vollständigen Übertragung im ORF-Spartenkanal ambitionierte, gute Österreicher mit Defektpech in der Schlussphase präsentiert – schade, das hätte ein passables Ergebnis werden können.

Gestern gab’s eine überragende Marianne Vos (Ned) zu sehen, die ihren Titel beim Frauenrennen verteidigen konnte. Man kann Marianne Vos nicht einfach nur erwähnen, ohne ihre unglaubliche Palmarés zu erwähnen: 2004 ging’s mit dem Weltmeistertitel im Straßenrennen der Juniorinnen los, seither gab es auf der Straße, auf der Bahn und beim Querfeldein unzählige prestigeträchtige Siege, Weltmeistertitel und Olympiasiege. Sie dachte auch schon darüber nach, in Männerrennen anzutreten…

Eine beeindruckende Leistung war auch im Zeitfahren der Männer während der Woche zu sehen: Tony Martin (Ger) holte sich den Titel. Kühl. Perfekt vorbereitet. Unglaublich Stark. Ausgereift. Und eine tolle Position auf seinem Rad. So manch Weiser des Zeitfahrens meint, dass man nicht nur tiefer, sondern auch schmäler sitzen sollte. Die Google-Bildersuche zeigt die martinsche Umsetzung.

Schlaue Marketiers aus dem Radsportbusiness haben übrigens schon vor langer Zeit erkannt, dass sich die Regenbogenstreifen gut an die Hobbyradlerschaft verkaufen lassen. Die Aura der Weltmeister möge sich doch auf den Hobbyradler übertragen. Ein bisschen zumindest. Es gibt die magischen Streifen auf so manchen Rahmen, so manchem Anbauteil oder Kleidungsstück zu sehen. Das gefällt natürlich auch mir (ich konnte sogar durch Zufall und Glück zwei Kleidungsdevotionalien von einer echten Weltmeisterin und einem echten Weltmeister erwerben), das mit dem Übertrag der siegreichen Aura funktioniert nur nicht so. Für’s erste würde ich mich aber zufrieden geben, wenn ich diesen Herbst mal nicht krank werden würde…

und noch ein echter aus'm juni, weil's grad passt

und noch ein echter aus’m juni, weil’s grad passt

Advertisements
5 Kommentare
  1. Ich halte das ähnlich, von Oktober bis Dezember ist der Crosser die 1. Wahl. Sobald das Herbstlaub zu fallen beginnt habe ich das Gefühl, nun genug Asphaltkilometer abgespult zu haben.

    • glücklicherweise gefällt uns cyclocross 🙂 denn, irgendwie ist die zuteilung der warmen monate in unseren breitengraden (du bist ja sogar noch um einiges nördlicher, soweit ich mich erinnern kann) nicht so üppig… september bis märz ist’s mir meist zu kalt für die straße 😉

      • Ein Grad über Null war’s heute morgen, als ich mit dem Hund raus bin… und im Winter geht es hier gerne mal runter bis -15 °C. Aber selbst wenn’s nicht zu kalt wäre um stundenlang in starrer Position auf dem Renner zu sitzen, würde ich schon der Abwechslung wegen querfeldein fahren. Am Sonntag wird wieder geschultert und matschige Singletrails durchpflügt, da freue ich mich schon drauf.

      • Lombardei-Rundfahrt gesehen? Dauerregen…

      • jepp, das rennen der fallenden blätter habe ich mir angesehen. war auch wieder eine zähe angelegenheit. hab’s dem purito gegönnt, hätte es aber auch dem vöckler gegönnt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Rennradblog Geradeaus

Rennradfahren, Essen und Spaß am Leben.

emme-eppe

die Magie der kleinen Dinge

VeloKick.net

laufen - rollern - radeln

Takeshi fährt Rad

Frau, Stahl, Asphalt, Kilometer.

Wiener Bahn-O-Rama

#gofastturnleft

Drei Engel für Ötzi

Rennrad-Transalp mit Marina, Anne und Dani

Die Rennschnecke

Lauf- und Triathlon-Blog

Eiswuerfel Im Schuh

DAS Triathlon & Fitness Blog - ein Blog von einer Triathletin und einem begeisterten Sportfotografen mit Wettkampfbeschreibungen, Trainingsgeschichten, Veranstaltungsbeiträgen, Fotostrecken für Sportunternehmen, Reiseberichte, Tech-Talks, Rezepte,…

diegneistdotcom.wordpress.com/

Personal- und Organisationsentwicklung

Triathlove

Drei Sportarten, zwei Wechsel, eine Liebe.

Auf dem Weg zum Ironman

Training, Strecken, Material, Tipps und alles was man noch so beim Trithlon erleben kann.

mweihrauch.de

Lauf- & Triathlonblog: Hier raucht's richtig

die rote laterne

am ende des hobby-pelotons

Triathlon statt Rollstuhl

Wie sich eine junge Frau trotz Multipler Sklerose nicht unterkriegen lässt und ihren Traum vom Triathlon erfüllt

%d Bloggern gefällt das: