Belvedere

belvedere, ober eingang vom gürtel her

belvedere, ober eingang vom gürtel her

Vor kurzem hatte mir die herbstliche Übergangszeit ein 38 Grad warmes Geschenk beschert. Aus meiner Urlaubswoche wurde Krankenstand. Waagrechte Position zuhause statt Querfeldeintraining. Langweilig war’s. Die gefühlte Raumhöhe wurde auch immer niedriger. Als das Fieber dann nach Tagen disziplinierter Ruhe zurückging, musste ich daher wieder an die frische Luft, der Plafond (ich möchte einmal ein alternatives Wort zu „Decke“ verwenden) fällt mir sonst auf den Kopf. Glücklicherweise gleich ums Eck: Das Schloss Belvedere. Die Marodität ist mittlerweile vorbei, nun die kleine Geschichte vom Marsch zum Belvedere:

Einen schönen Park hat’s auch, das Schloss Belvedere, wie’s für Schlossparks halt so üblich ist. Es gibt, Rasenflächen, Bäume, Stiegen, kleine Steigungen. Hier ein Querfeldeinrennen, das wäre doch was 😉

Ein geschichtsträchtiger Ort jedenfalls. Erbaut hat es der österreichische Kriegsheld der Türkenkriege mit französisch-savoyischem Migrationshintergrund, Prinz Eugen (18.10.1663 – 1736). Alles Gute übrigens im Nachhinein zum 350. Geburtstag, Eure Hoheit! Belvedere heißt angeblich „schöne Aussicht“, was ich nicht bestätigen kann. Meine Französischkenntnisse sind eingerostet und beschränken sich auf das französische Vokabular der deutschsprachigen Übertragungen von Radrennen auf Eurosport (Plafond ist auch Französisch, glaube ich – doch noch was hängengeblieben). Und den Balkon mit dem legendären „Österreich ist frei“, das ja freilich drinnen zu hören war, und nicht am Balkon, kann man sich auch ansehen.

Wenn man den oberen Eingang nimmt, fällt eine große Wasserfläche auf, Möwen sind da, auch unzählige Enten, die die Umrahmung dieses Wasserbeckens doch ordentlich zusch… äh beschmutzen.

Langsam krieche ich am Schloss vorbei und komme langsam, sehr langsam ums Schloss herum. Hier ist dann ein Platz, der die Namensgebung nach der schönen Aussicht sehr wohl bestätigt. Ich drehe mich um, hier ist auch der Balkon. Und ein Chinese (Japaner?) hält sich sein Jaus’nbrettl vor den Kopf. Ach, nein, ach so, es ist ein Tablet.

Hier gibt’s auch diese Sphinx-Statuen in schönem Weiß. Heute mit Krähe. Anatomisch eine Mischung aus Raubkatzenkörper mit üppiger weiblicher Oberweite. Diese Statuen sind der Beweis dafür, dass viele Menschen beim Reisen ihre Würde zu Hause lassen. Ich sitze keine 5 Minuten auf einer Bank und genieße ein wenig die Aussicht und tanke Sonnenstrahlen und schon ist’s wieder so weit: Eine Gruppe von Menschen betrachtet die Aussicht. Es vergehen nur wenige Sekunden und der erste (es ist immer ein Mann) grapscht. Dann der zweite. Dann brechen alle Dämme, Männer und Frauen aus der ganzen Welt, alle grapschen, posen beim grapschen, das Ganze begleitet von bescheuertem Grinsen. Das vorher strahlende Weiß ist an den Brüsten zu einem abgegriffenen Braun-Grau geworden.

Das Bett ruft mich wieder, ich begebe mich in Schneckentempo nach Hause. Irgendwie finde ich diese Sphinx-Grapschereien aber spaßig, v.a. sind die Leut‘ dabei lustig anzusehen, beim Weg nach Hause durch den botanischen Garten muss ich grinsen. Aber heute bin ich krankheitsbedingt schlecht aufgelegt, daher muss ich nun sagen: Scheiß Touristen! 😉

IMG_1329


ab so ca. 4:30… zuerst unterschreiben, dann zettel herzeigen 😉

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5 Kommentare
  1. Wirklich ein schöner Blick, Schloss Belvedere. Ist übrigens italienisch, die französische Variante ist Bellevue. So heißt auch das Schloss in Berlin, in dem der deutsche Bundespräsident seinen Sitz hat. Man sollte, ob in Belvedere oder Bellevue, wirklich mal ein Crossrennen veranstalten, ein wenig Leben ins steife Protokoll bringen. Am besten gleich ein Weltcuprennen, so lange Sven Nys seine Karriere noch nicht beendet hat.

    Freut mich, dass Du schon wieder kriechen kannst, da wird es jetzt schnell aufwärts -und wieder in den Sattel- gehen.

    (Wir durften mal ein kleines Crossrennen vor ebenfalls denkmalgeschützter Kulisse austragen, kommt zwar an ein Schloss nicht ran, war aber trotzdem eine tolle Atmosphäre:

    http://guterbubi.wordpress.com/2012/03/25/races/

    • danke für die anteilnahme! ja, mittlerweile geht’s wieder ganz gut, den blogeintrag hatte noch während der bettlägrigkeit begonnen und nun fertiggeschrieben, einges an erholungszeit dazwischen.

      ah, ok, italienisch 🙂 wieder was gelernt.

      ja, das wäre was, der schreckliche sven durchpflügt den schlossgarten 🙂

      echt ein lässiger bericht, den du da verlinkt hast!!! eine echt tolle kulisse und das ganze sieht insgesamt sehr sympathisch aus, ebenso so manche outfits! in wien gab’s früher crossrennen in der krieau (http://de.wikipedia.org/wiki/Krieau), ähnliche kulisse – leider vor meiner cross-zeit.

  2. danke! ersetzte das „vielleicht“ in deinem letzten satz durch „auf jeden fall“ 😉 freu mich drauf!

    finde den spruch “Ich brauch’ keinen Pulsmesser, ich fahr eh immer am Anschlag” genial – beim querfeldein ist das auch so, ich schau mir aber nachher gerne so einen durchschnittspuls von >180 an 😉

    dürften lässige rennen gewesen sein!

  3. Das waren Hobbyrennen über 30 Minuten, also die Hälfte dessen, was bei Elite gefahren wird. Ich habe aber ganz schön gejapst. Eine 100 Meter lange Gerade, da dachte ich, kannste Tempo machen. Ab der dritten Runde war ich froh, dass ich mich dort kurz erholen konnte… das Alter…

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