Doppelnull

Da war er plötzlich weg, der Herzfrequenz-Sensor. Pflichtbewusst hatte er während der letzten Ausfahrt noch meine Pulswerte an den Computer gesendet. Doch während der Ruhepause bis zum nächsten Training ist er verschwunden. Unauffindbar.

Nach anstrengenderen Trainings ist es schon manchmal vorgekommen, dass ich – wohl auf Sauerstoffmangel im Hirn zurückzuführen – diversen Ausrüstungsgegenständen einen Aufbewahrungsort zuweise, der zum Wiederfinden eine etwas anspruchsvollere Suchaktion erfordert. Sonnenbrille nach einer sommerlich-heißen Ausfahrt im Kühlschrank deponiert – das war bisher das Highlight sinnentleerter Platzierungen.

Manchmal verschlingen aber auch Waschmaschinen oder die Schlitze zwischen den Pölstern der Couch diverse Sachen. Flusensieb (immerhin weiß ich nun, wie ich das reinige), Couch und sämtliche andere Orte brachten keine Wiedersehensfreude. Auch nicht das optische und haptische Screening sämtlicher Radsportwäsche. Ich stellte ebenfalls das „Radzimmer“ komplett auf den Kopf, ohne natürlich den kleinen schwarzen Plastik-Elektro-Mistkerl zu finden. Ich bin böse auf ihn, es ist verantwortungslos, einfach so abzuhauen.

Trennungsschmerz. Ich fahre sehr gerne mit Pulsmesser, nicht unbedingt, weil ich genau nach Puls trainieren möchte, sondern eher um grob zu kontrollieren, damit ich im Training nicht überdrehe. Beruflich bedingt bin ich aber auch etwa ein Zahlenfuchs und sehe mir sehr gerne die grafischen Auswertungen der Ausfahrten mit Höhendiagramm, Geschwindigkeit, Trittfrequenz und eben Pulswerten an. Die Flatline gefiel mir gar nicht. Die Doppelnull am Display ebenso nicht. Erinnert mich an Pissoirs auf Autobahnparkplätzen.

Einige Tage und viele Stunden hatte ich erfolglos gesucht und mich geärgert. „Was man nicht im Hirn hat, muss man in den Beinen oder im Geldbörsel haben.“ Ein neuer Herzfrequenzsensor musste also her. Auch vertraute ich auf das Naturgesetz, dass zuhause verlegte Gegenstände unmittelbar nach der Ersatzinvestition wieder auftauchen.

Neuer Sensor da, keine Flatline mehr, keine Doppelnull, den Hersteller und den Handel subventioniert – alles bestens! Schusselig sein ist manchmal gut für die Volkswirtschaft.

Mittlerweile ist der verloren geglaubte Sensor selbstverständlich wieder aufgetaucht, keine 24 Stunden nach dem Kauf des neuen Sensors, ich habe nun zwei. Er hatte sich in einem Langfingerradhandschuh für die aktuelle Übergangszeit versteckt und hatte sich durch die dreimalige Kontrolle meiner Radsportgarderobe durchgeschummelt. Genau dieses Paar Handschuhe hatte ich eigentlich schon in die Winterpause geschickt, beim Einschlichten frisch gewaschener Radwäsche ist er mir dann entgegen gehüpft und hat mir frech die Zunge gezeigt. Ohne den Neukauf hätte ich den alten Sensor wohl erst nach dem Winter wieder gefunden. Schön, dass man sich auf Naturgesetze verlassen kann. Nun hilft Schönreden: Ich habe nun Ersatz, falls wieder einer türmt. Andererseits, wohl auch naturgesetzlich: Wenn man mal Ersatz hat, wird es wahrscheinlich nie notwendig, ihn auch einzusetzen.

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4 Kommentare
  1. Ich suche seit einem Jahr nach einem Paar Lenkerendschalthebel, die ich irgendwie verlegt habe… Und den Aufenthalt eines verschwundenen Gabelkonus kennen auch nur die Katzen, die ihn damals wohl als Spielzeug irgendwo hin entführt haben.

      • Wenn ich das Doppel verkaufe, dann habe ich aber keins mehr, wenn ich das andere wieder verliere… 😉

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