Hamme-Zogge, Stadl-Paura, Neutal

fotograf: gerhard huber

fotograf: gerhard huber

Niels Albert (Bel) gewinnt das schlammige Superprestige-Rennen in Hamme-Zogge an diesem Sonntag. Gut gelaunt sehe ich mir den Live-Stream im Internet an und bewundere die Steuerkünste der „Chefs“, die durch den schmierigen, rutschigen Schlamm jeweils eine tolle Linie zaubern. Ich bin glücklich und zufrieden, weil ich selbst 2 schöne Trainingstage hatte und meine eigenen Linien durch mittelburgenländischen Gatsch rund um meine Heimatgemeinde gezogen habe. Auslauf für den Körper, Durchlüften für’s Hirn.

Ungleich mehr Schlamm als in Neutal gab es auch letzten Sonntag beim Rennen in Stadl-Paura, Cyclocross, oder Querfeldein, wie’s in Ö heißt, in Reinkultur. Die Nacht zuvor dürfte es viel geregnet haben, auch vor dem Rennen regnete es. Sehr schön. Ich mag Scheißwetter bei Rennen. Lästig ist allerdings nur, dass man bereits beim Aufwärmen schon ordentlich Dreck und Feuchtigkeit aufnimmt und das „Getriebe“ vom Rad komplett verdreckt. Trotzdem fuhr ich eine Aufwärmrunde, die ein hartes Rennen versprach: Rutschiges Terrain, sehr tiefer Boden und Schlamm, Schlamm und nochmals Schlamm.

Schnell noch das Rad gereinigt (geht mit Hochdruckreiniger schnell), Kette und „Getriebe“ geschmiert, umgezogen und gemütlich zum Start gerollt. Vorgenommen hatte ich mir für mein Rennen nicht viel (siehe „Startlisten“), außer Spaß zu haben.

Startschuss. Über 60 Fahrer hetzen los. Eine Startrunde auf der Trabrennbahn (das Rennen fand auf einem Reitsportgelände statt, es gab sogar eine Passage durch die Reithalle) bildete den Anfang, dann ging’s ins Gelände, wo es dann im tiefen Gatsch richtig zur Sache ging. Passagen, die man bei halbwegs trockenen Bodenverhältnissen locker fahren kann, gingen nur mehr zu Fuß. Und teilweise sank man mit dem Rad ordentlich im Schlamm ein, was ordentlich kraftraubend war. Aber so g’hört’s beim Querfeldein.

Die Runde auf der Trabrennbahn trieb mir die Tränen in die Augen, weil mir die sandige Suppe trotz Radfahrbrille in die kontaktlinsenbesetzten Augen lief. Ich kam trotzdem gut weg und hielt weinend mit, hatte aber gleich nach der Startrunde beim Einfahren ins Gelände Pech: Kettengatschklemmer. Runter vom Rad, fummeln im Dreck, das Loch zum Vorletzten wieder schließen. Das passierte recht schnell und ich hatte auch wieder ein paar Konkurrenten hinter mir lassen können, von denen ich mich auch stetig weiter entfernte. Runter vom Rad, laufen, Rauf auf’s Rad, die Beine in die Pedale stemmen, wieder runter, Rad schultern, laufen, rauf auf’s Rad, den Hang runter eiern, eine tiefe Spur im Schlamm ziehen, die Oberschenkel brennen lassen, Runter vom Rad, ungelenk über die Hürden, Kurbeln im Dreck, pritscheln in den Lacken,… 50 min ging das Ganze. Ab dem letzten Drittel auch mit dem guten Gefühl, nicht letzter zu werden, ich wusste ein paar Fahrer hinter mir. Letztendlich wurde ich Vorletzter der Fahrer, die ins Ziel gekommen waren, was mich zusätzlich freute, hatte ich doch mit dem letzten Platz gerechnet (DNFs gab’s übrigens auch ein paar). Aber abgesehen vom Ergebnis, das für mich meist sekundär ist, waren es einfach total geniale 50 Minuten Querfeldein pur! Und ich bemerkte auch, dass die Form nicht so schlecht, wie befürchtet, war bzw. ist – das ist das positive Ergebnis meines Trainingsplans: Nicht viel trainieren, dann kann man mit einigen wenigen Trainingseinheiten so etwas wie eine „Mini-Form“ aufzubauen!

Frisch geduscht und von vielen Schichten Kleidung gewärmt konnte ich mir dann die Eliterennen ansehen: Hanka Kupfernagel zeigte ihre Klasse, Nadja Heigl Talent und Defektpech. Und bei den Herren gab es genialen Sport, der mich absolut begeisterte. Ergebnismäßig heißt das: Enrico Franzoi wühlte sich am besten durch den Gatsch, Simon Zahner ackerte sich auf Platz 2, Ondrej Bambula rang dem Dreck Platz 3 ab.
Hamme-Zogge, Stadl-Paura, Neutal: Gatsch verbindet.

fotograf: ernst teubenbacher

fotograf: ernst teubenbacher

panade

Letzte Runde Hamme-Zogge: http://www.vier.be/veldrijden/videos/hamme-zogge-laatste-ronde/87484

Bericht Stadl-Paura: http://www.youtube.com/watch?v=juZBDagEVnY&feature=share&list=UUgzjPXiTGWsqYosz5WFZPwQ

Fotos von gscheiten Fotografen: http://bikeboard.at/Board/Cyclocross-Special-13-14-powered-by-bikepirat-th188171

P.S. – falls sich jemand für Autos, va. Oldtimer, interessiert – lässige Seite: http://www.gehu20.at/

Advertisements
3 Kommentare
  1. Na, das nenne ich mal ein Konzept. Trainieren, völlig überbewertet… 😉

    „Nicht viel trainieren, dann kann man mit einigen wenigen Trainingseinheiten so etwas wie eine „Mini-Form“ aufzubauen!“

    Kommst Du ansonsten gut zurecht mit den Kontaktlinsen? Ich habe die früher auch verwendet beim Sport, habe mir dann aber eine Brille mit getönten Gläsern für mein Sehstärke machen lassen. Leider kann ich die im Winter kaum brauchen, nun überlege ich, was ich mache. Ich habe am Sonntag beim Rennen auch einige gesehen, die mit Brille gefahren sind statt Kontaktlinsen.

  2. ja… mein trainingskonzept… man muss sich die situation halt schönreden 😉

    bezüglich linsen: habe harte kontaktlinsen, mit denen habe ich bisher sehr gute erfahrungen beim sport gemacht. ich verwende je nach lust und laune bei rennen linsen oder sonnenbrillen mit einem optischen clip. beides funktioniert super. bei den trainingsfahrten, die meist ja am abend nach einem langen bildschirm-arbeitstag, wo ich „normal“ brillen trage, die sonnenbrillen mit dem clip. das gilt alles für die straße…

    bei cyclocross-rennen… schwierig, da die sonnenbrille (natürlich mit wechselgläsern) in verbindung mit dem clip doch sehr sehr leich beschlägt – grad beim cross ist’s oft so nebelig-feucht. andererseits hat das mit den linsen, wie beschrieben, grenzen…

    kann somit kein „echtes“ fazit ziehen… außer, dass ich in stadl-paura bei solchen verhältnissen nimmer mit kontaktlinsen fahre 😉

    welche erfahrungen hast du gemacht?

  3. Beim Ballsport immer Kontaktlinsen. Fußball ist eh klar, aber auch beim Tennis, Badminton standen die Linsen außer Frage. Auf dem Rad jahrelang auch mit Linsen, dann mit Brille. Weil ich kurzsichtig bin, brauche ich beim Lesen und vor dem Computer etc. keine Sehhilfe. Die Kontaktlinsen gehen da gar nicht. Also habe ich wieder zunehmend auf die Brille zurückgegriffen, bei Arbeitswegen immer erst die Linsen rein- und wieder raus zu fummeln war mir zu lästig.

    Ich favorsiere also die Lösung mit der Brille, das Gelbe vom Ei ist das aber auch nicht. Ich habe eine mit klaren Gläsern und eine mit getönten Gläsern. Bei Fahrten, die im Dunkeln enden, müsste ich beide einstecken. Ganz blöde sind auch morgendliche Waldpassagen, wenn auf freien Abschnitten die Sonne scheint, man dann aber schlagartig durch Schatten fährt und kaum etwas sieht. Da bin ich mit Sonnenbrille bisweilen 10 Meter im Blindflug unterwegs. Das von Dir schon genannte Beschlagen ist das nächste Problem.

    Deinem Stichwort „optischer Clip“ werde ich mal nachgehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

CyclingClaude

Cycling Claude - der Blog für Kettenhelden

Rennradblog Geradeaus

Rennradfahren, Essen und Spaß am Leben.

emme-eppe

die Magie der kleinen Dinge

Takeshi fährt Rad

Frau, Stahl, Asphalt, Kilometer.

Wiener Bahn-o-rama

#gofastturnleft

Drei Engel für Ötzi

Rennrad-Transalp und mehr mit Marina, Anne und Dani

Die Rennschnecke

Lauf- und Triathlon-Blog

Eiswuerfel Im Schuh

DAS Triathlon & Fitness Blog - ein Blog von einer Triathletin und einem begeisterten Sportfotografen mit Wettkampfbeschreibungen, Trainingsgeschichten, Veranstaltungsbeiträgen, Fotostrecken für Sportunternehmen, Reiseberichte, Tech-Talks, Rezepte,…

diegneistdotcom.wordpress.com/

Personal- und Organisationsentwicklung

Triathlove

Drei Sportarten, zwei Wechsel, eine Liebe.

Auf dem Weg zum Ironman

Training, Strecken, Material, Tipps und alles was man noch so beim Trithlon erleben kann.

mweihrauch.de

Lauf- & Triathlonblog: Hier raucht's richtig

die rote laterne

am ende des hobby-pelotons

Triathlon statt Rollstuhl

Wie sich eine junge Frau trotz Multipler Sklerose nicht unterkriegen lässt und ihren Traum vom Triathlon erfüllt

%d Bloggern gefällt das: