Monsieur Robert und seine 26,9 km

Der Winter ist da, kalt is‘, der Wind macht’s noch kälter. Windchill heißt das. In Verbindung mit Kopfschmerzen bedeutete das einen trainingsfreien Tag mit Stadtspaziergang. Aber selbst zu Fuß wurde es mir etwas zu ungemütlich, was mich unter Tage in die U4 führte. Als ich dann in Wien Mitte ausstieg, bemerkte ich am Infoscreen, der den am Bahnsteig wartenden Menschen die Wartezeit kurzweiliger gestalten soll, eine Beitrag, der mich sehr beeindruckte.

Robert Marchand hatte einen neuen Stundenweltrekord aufgestellt. 26,9 km hat er in 60 min indas Velodrom im nordfranzösischen Saint-Quentin gezirkelt. Und das im biblischen Alter von 102 Jahren. Mit offenem Mund stand ich da. Unglaublich. Beeindruckend. Wahnsinn. Ich kenne genug Leute, die mit gerade mal einem Viertel der Lenze, die Monsieur Marchand erlebt haben, keine 26,9 km mit dem Fahrrad fahren können. Im Bezug auf Radsport wird ein Wort fast inflationär verwendet, für mich passt es dabei selten so gut wie hier: Episch.

Ich denke auch an meine Oma, die 2007, ein paar Tage vor ihrem 101. Geburtstag gestorben ist. Hohes Alter bei gleichzeitiger Fitness und gutem Allgemeinzustand bewundere ich. Respekt und Demut ist auch dabei, wenn mir die Ereignisse, die Menschen mit diesem hohen Alter erlebt haben, durch den Kopf gehen. Die geschichtlichen Ereignisse kennt man ja allgemein, die persönlichen Erlebnisse der Menschen, die diese Dinge als Zeitzeugen erlebt haben, sind fesselnder, als alle anderen Geschichten, da kann einem auch mal beim Zuhören die Luft wegbleiben.

Zurück zu Monsieur Robert. Inspirierend sei seine Leistung, kommentiere der Präsident seines Radclubs die 26,9 km. Radsport bis ins hohe Alter klingt nach einer (von vielen) lohnenden Perspektive im Leben. Und das in einer anderen Welt, als damals: Marchand sah, als er in meinem Alter war, die Jahreszahl 1943 auf dem Kalender und ich frage mich, ob meine Oma, 32jährig im Jahr 1938, ahnte, was noch kommen sollte?

Etwas weniger nachdenklich, aber auch irgendwie inspirierend finde ich auch das Lebensmotto des Weltrekordhalters der Klasse Ü100: „Ich habe nie geraucht, außer bei Festen nie getrunken, und bei den Frauen habe ich auch nicht gezögert.“ Auch das lohnt sich offensichtlich.

 

 

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3 Kommentare
  1. Sieh‘ mich jetzt ebenfalls mit offenem Mund dastehen. Mir geht’s übrigens ähnlich, wenn ich solche Dinge lese. Auch gleite in Betrachtungen ab was der Mensch schon alles erlebt hat, welche Zeiten und Geschehnisse er miterlebt und überlebt hat. Vielleicht hat er Hunger und Entbehrungen und Gefangenschaft durchlitten, vielleicht hat er Leute umgebracht. Alles Dinge, die uns glücklicherweise fremd sind. Über den Aufhänger „Radfahren“ stellt sich eine Verbindung her zu einer ganz anderen Zeit. Besten Dank für diese Geschichte.

  2. Wahnsinn! Da gibts einen Dok-film über das Thema Sport im hohen Alter, „Herbstgold“ heißt der glaub ich. Ich hab ihm leider noch nicht gesehen kann mich aber an den Trailer erinnern, war vor ein paar Jahren im Kino. Muß ich mir unbedingt mal anschaun…
    Lg peda

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