Happy Birthday, Abdu!

Berüchtigte Namen wie Ivan der Schreckliche, Attila der Hunnenkönig („Die Geißel Gottes“), Vlad III Dracul(e)a („der Pfähler“), Dschingis Khan oder, damit auch der Gleichberechtigung ein wenig Genüge getan wird, Blutgräfin Erzsébeth Báthory hallen mit einem Hauch von Furcht über viele Jahrhunderte nach.

Was diese Namen für die Geschichte sind, ist der Name Dschamolidin Abduschaparow (wegen Unaussprechlichkeit oft auf Abdu verkürzt) für den Radsport. Geboren in Taschkent, damals Sowjetunion, heute Usbekistan. „Taschkent Terror“. Im Feld gefürchtet für seine aggressive Fahrweise, die zusätzlich auch noch die eine oder andere Welle beim Zielsprint beinhaltete. Von Merckx, der ja DIE Instanz im Radsport darstellt, wurde er mit dem Attribut „eine Gefahr fürs gesamte Feld“ zweifelhaft geadelt. Olaf Ludwig, der dem Usbeken schon bei der Friedensfahrt begegnete, meinte: „Der fährt in Löcher hinein, wo keine sind“. Gegen jemanden wie Abdu sind Typen wie Robbie McEwen oder Mark Cavendish eher Sängerknaben.

Mein Bruder, meine persönliche Instanz im Radsport, hat ihn als „russische Wüdsau“ bezeichnet. Zu den gängigen martialischen Beinamen Abduschaparows, eben „Taschkent Terror“, „Taschkent Terminator“, „Zig Zag“ gesellt sich aber ein etwas positiv behafteter: „Sprinting Wonder“. Seine besten Zeiten, u.a. als er bei der Tour 1991, 1993 und 1994 das grüne Trikot holte (von der Friedensfahrt erfuhr ich überhaupt erst sehr spät), waren für meine Radsportbegeisterung noch etwas zu früh. Aber sein Name inklusive seinem berüchtigtem Ruf war mir auch schon damals definitiv bekannt, ohne dass ich ihm Bilddokumente zuordnen konnten. Ich konnte mir auch vorstellen, wie sich eine „Wüdsau“ in einem Sprinterfinale benehmen könnte.

„Da sehe ich niemanden mehr und nichts anderes als das Zielband. Ich schaue nicht nach links und nicht nach rechts, nur noch geradeaus.“ Das sagte er selbst über seinen berüchtigten Sturz am Champs Élysées beim Tour-Finale 1991. Damals war er Vollgas, den Kopf unten, eine seiner Wellen fahrend, beim Zielsprint in die Absperrungen gekracht. Irgendwie schaffte er es dann doch noch ins Ziel und bekam im Krankenhaus das grüne Trikot überreicht. So die Legende und zu sehen auf zahlreichen You-Tube-Videos. Im Übrigen ist er einer der Nationalhelden in Usbekistan, züchtet Tauben und Papageien und betreibt einen Jeansladen. Ruhige Tätigkeiten, die nicht ganz zum Image des Radprofis Abduschaparow passen.

Der Hauch des Bösen, der Abduschaparow umgibt, hat, gemeinsam mit dem Sportler selbst, aber doch irgendetwas Anziehendes – auch weil er nur ein Rauhbein war und kein Menschenschlächter war. Beinharten Verteidigern im Eishockey oder Fußball schlagen auch öfters Sympathien entgegen. Nicht nach Links oder nach Rechts, sondern nach vorne schauen. Diese einfachen Worte sind aber definitiv etwas Positives, das mir Abdu hinterlässt – zu vielen Gelegenheiten anwendbar, aber auch passend z.B. für politische Einstellungen 😉
50 wird er heute, der Abdu. Alles Gute!

Hier ein Video über ihn, bei dem er auch solo zum Sieg fährt. Geht ja gar nicht. Der 1991er-Crash ist natürlich dabei, eh kloar:

Quellen: wikipedia, http://www.munzinger.de, http://www.11freunde.de

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3 Kommentare
  1. Ein Bekannter von uns ist beim 91er crash ebenfalls gestürzt, als der Abdu an der Absperrung hängen blieb. Er meinte, einmal auf den Champs-Elysees auf dem Treppchen zu stehen sei zum Greifen nahe erschienen und der Sturz wäre so plötzlich und schnell gekommen, dass man es gar nicht mitbekommen hat, bis es passiert ist. n den Videos sieht man ja anhand der Hubschrauberaufnahmen, wie schnell die unterwegs waren, ich will gar nicht daran denken, bei diesem Tempo zu stürzen.

    • jepp… einen sturz bei diesem tempo mag ich mir auch gar nicht vorstellen. bin mal ein kriterium gefahren und da hat’s so ca. 5 fahrer zerlegt, bei ca. 45 km/h war das. alleine dieses geräusch von körpern und material, die über den asphalt scheuern ist grausam… mich hat’s da glücklicherweise nicht erwischt.

      „startalk“ 😉 euer bekannter ist… olaf ludwig? wurde ja noch von konyshev auf rang 2 verwiesen…

  2. Nein, nicht Olaf Ludwig. Jan Schur. Der ist sofort gestürzt, als der Abdu einfädelte und war damit raus aus dem Zielsprint.

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