Bart und die Stutzen

http://www.vier.be/deidealewereld/videos/gouden-tips-van-een-grote-meneer/138155

Bart Wellens ist einer der Stars im Cyclocross. 2facher Weltmeister und Gewinner vieler Rennen. Ein lustiges Video mit ihm als Hauptdarsteller wurde mir auf Facebook empfohlen. Es wird erklärt, wie man einen kleinen Felsen umfährt, wie man stilvoll nach missglückten Bunny-Hops wieder mit dem Rennen fortfährt und wie man sich bei einer Siegerehrung zu verhalten hat. Nach ein paar herzhaften Lachern und wiederholtem Abspielen des Videos bemerke ich jedoch einen schockierenden optischen und stilistischen Fauxpas vom alten Bart.

Gleich zu Beginn des Videos trägt er Stutzen, wohl Kompressionsstutzen. Ich bin bestürzt. Das hätte ich nicht von ihm gedacht. Nein, das geht nicht. Ja, sonst gerne, z.B. im Triathlon, im Fußball oder zur Regeneration. Macht ja dort jeweils Sinn: Triathlon als stets innovative Sportart, die sämtliche Potenziale ausnutzt. Das passt zum engen Beinkleid. Auch im Fußball macht es Sinn, schließlich muss man ja die Schienbeindeckel irgendwo reinstecken. Und zur Regeneration funktioniert’s angeblich auch sehr gut. Auch für Rennradler.

Aber Kompressionsstutzen sind optisch einfach grausam, wenn sie in Kombination mit einem Rennrad (für mich ist ein Cyclocross-Rad auch ein Rennrad) auftreten. Sowas sieht einfach nicht gut aus. Das hat auch glücklicherweise Aufnahme ins Reglement der UCI gefunden, die derartige Beinbekleidung verbietet. Tradition ist einfach wichtig im Rennradsport und das ist auch gut so. Gewissen Entwicklungen und „dem Fortschritt“ kann man zwar auch ruhig Rechnung tragen, aber mit Maß und Ziel. Auch wenn Kompressionsstutzen für Rennradler während der Sportausübung Sinn machen, den optischen Nachteil daraus kann man durch sämtliche Vorteile dieser Stutzen unmöglich wieder aufholen.

Auch die Farbe ist wichtig. Bart trägt schwarz. Das verschlimmert Wellens‘ modischen Fehltritt zusätzlich. „Sie sind weiß, eng anliegend und kurz. (…) Farbige Socken sehen bei einem Rennradfahrer nicht gut aus.“ So heißts bei Peter Konopka (Buch: Richtig Rennrad fahren; er dürfte aber in einem DDR-Trainingsbuch abgeschrieben haben). Natürlich sind farbige Kringel, Ausrüsterlogos und dezente andere Repräsentationsmarkierungen ok, aber die Grundfarbe ist weiß. Punkt. Man sieht ja, die kosmische Gerechtigkeit hat den Ketzer Armstrong für seine Sockenmode (furchtbar schwarz und viel zu lang) mit der Ächtung in großen Teilen der Radsport-Community und der ganzen Welt bestraft (ja, ok, schon auch wegen dem Doping und seiner Art, mit Menschen umzugehen).

Zurück zum Video. Ich finde es genial. Grundsätzlich bin ich auch ein Wellens-Fan, auch wenn er sich einmal in der Sockenlade vergriffen hat. Es gibt übrigens auch viele andere Videos mit Praxistipps zum Cyclocross-Sport von ihm für die crossbegeisterte Masse. Das reicht zur Buße in diesem Fall.

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5 Kommentare
  1. Ach, die weißen Socken…

    Zeitfahranzug, Zeitfahrhelm und Monocoque-Carbonrahmen aus dem 21. Jahrhundert- aber die weißen Socken von anno Tobak? Können weg.

    Und überhaupt, da haben wir Jahrzehnte der Doping-Skandale hinter uns aber die Länge der Socken ist per Reglement festgeschrieben…

  2. willkommen in meiner welt, die nicht immer logisch ist 😉

    aber natürlich auf höherem level gesehen, gibt’s andere probleme, als die sockenlänge. ich bin aber froh, dass diese stutzen nicht getragen werden. irgendetwas an diesem anachronistischen muff mit manchmal EU-gleicher regulierungswut des radsports (gewichtslimit >6kommairgendwas, räder für stundenweltrekord, keine scheibenbremsen, socken,…) hat schon was 😉

  3. Hat schon was… aber nicht für den dünn gesähten Nachwuchs. Schau Dir mal die Altersentwicklung in Radsportvereinen an. Unter 30 kaum einer, zwischen 40 und 50 (und drüber) dafür umso mehr… Als Jugendlicher hätte ich auch null Interesse, mir von Altvorderen sagen zu lassen, wie man das immer schon gemacht hat. Schau Dir den Skisport an, im slope style und anderen Sportarten, die mittlerweile olympisch sind, pfeifen die Sportler auf jegliche Vorgaben, die brauchen nicht einmal mehr eine Eingliederung in feste Verbandsstrukturen. Die Tennisspieler rennen heute auch nicht mehr ganz in weiß über den Platz. Als ich zuletzt bei einem Halbmarathon im Start- und Zielbereich war, konnte ich zwei Drittel der Läufer in Kompressionsstrümpfen sehen. Und beim Fussball erst, die Schuhe, die heute im Regal stehen, haben kaum noch Ähnlichkeit mit dem, was man früher trug.

    Regeln haben für mich aber in einem bestimmten Bereich eine Berechtigung: Sie sollten dafür sorgen, dass möglichst jeder sich die Teilnahme am Sport noch leisten kann. Deshalb ist z.B. die Gewichtsvorgabe sinnvoll.

    • das spielt sicher alles mit, was du beschreibst. kann micht nicht so richtig in einen jungen menschen reinversetzen, was ihn dazu treibt, einen sport mit nachdruck und leidenschaft zu betreiben… viele faktoren, auch „coolness“ sicher. aber das gelaber von uns alten hat man überall, denke ich. auch slopestyle wird irgenwann alt 😉 die nachwuchssituation im radsport ist in der tat trist, auch in Ö. ob da die nicht vorhandene „coolness“ ein grund ist? oder ist radsport nicht doch auch cool für kids? z.B. in belgien? was weiß ich…

      aber mit diesen stutzen werde ich mich wohl nie anfreunden… die habe ich als fußballer eh lang genug getragen 😉 schau mir grad die championsleague-zsf zwischen real und s04 an… ja, die schuhe sind schon ziemlich anders… die klassischen copa mundial und world cup schuhe von adidas, auf die ich geschworen hatte, sehe ich nimmer (klassisch schwarz mit weißen streifen sehe ich nicht mehr)

      ja, das gewichtslimit spielt sicher auch mit, dass man als hobbyfahrer top-material haben kann. sogar 1:1 das material der profis. das finde ich extrem sympathisch. und darüber hinaus: in welcher sportart kann man sonst so posen, obwohl man nix in den beinen hat? 😉 😉 😉

  4. Ich habe mir neulich im Sportladen mal Fussballschuhe angeschaut, Sehr futuristisch – aus meiner Sicht, für die Youngster wohl völlig normal. Leder braucht man jedenfalls nicht mehr. Ich würde die aber gerne mal ausprobieren. Vor allem wenn es regnet und der Platz schlammig ist, stelle ich es mir sehr angenehm vor, mit so einem leichten Plastikschuhe über das Spielfeld zu rennen. Dann könnte ich für ein Blogfoto posen, mit den Schuhen von CR7…

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