Siebeng’scheit: Team Sky auf dem Pflaster

Ja, nachher ist man immer g’scheiter. Dann ist’s leicht, analytisch zu schreiben, wie es besser laufen hätte können, eigentlich fix und unumstößlich besser gelaufen wäre! Als rotweißroter Radsportfan und jemand, der Bernhard Eisel als gemütlichen und umgänglichen Typen 2005 kennenlernen durfte, ist das Team Sky für mich ein spezielles Thema.

Die Sky’s waren zwar auf dem Pflaster präsent, waren oft zu sehen, waren aber resultatsmäßig irgendwo und das nicht nur bei den beiden Monumenten Flandern und Roubaix. Und das finde ich enttäuschend, da sie meiner Meinung nach extrem gutes Potenzial für die Klassiker des Nordens haben, 2014 vor allem mit Geraint Thomas(GBR) . Und mein Favorit, Bernie Eisel hat auch gezeigt, dass er mehr drauf hat, als „nur“ als Helfer zu fahren (wobei ich mich frage, was er auch persönlich wirklich will).

Zur Flandernrundfahrt und der Performance von Sky fällt mir nicht allzu viel ein. Da waren sie wohl einfach nicht stark genug, da hatten sie wohl allesamt keinen allzu guten Tag. Außer bei Geraint Thomas, den fand ich da gut. Vielleicht ein wenig zu offensiv, die Attacke von Quinziato (ITA; Team BMC), Trentin (ITA; Team OPQS) hätte Eisel nicht unbedingt mitgehen müssen – wieso aber eigentlich nicht. Thomas beendete die „Ronde“ auf Rang 8.

Paris-Roubaix sehe ich da anders. Auf cyclingnews.com kommuniziert Thomas, dass er bei Paris-Roubaix zu viel arbeiten musste, daher nicht die von ihm erwünschte Leistung bringen konnte und folglich enttäuscht über Rang 7 sei (http://www.cyclingnews.com/news/thomas-disappointed-to-miss-podium-at-paris-roubaix). Kapitän war Edvald Boasson-Hagen (NOR) (http://www.cyclingnews.com/news/boasson-hagen-ready-to-lead-sky-at-paris-roubaix) der sich zwar gut fühlte, aber am letzten Sonntag komplett ausließ (u.a. neben Defekten einen spektakulären Sturz in die Wiese). Thomas musste für ihn arbeiten. Und da war noch Bradley Wiggins (GBR), der eine echte Überraschung lieferte, indem er in die Top-10 fuhr. Auch für ihn arbeitete Thomas. Eisel wurde übrigens 13. und hatte auch den ganzen Tag viel für die Sky-Mannschaft gearbeitet. Soweit ganz grob die Situation – für Sky aus meiner Sicht nicht das, was sie leisten könnten.

Für mich sieht die Ausrichtung von Sky für die Klassiker zu unflexibel aus. Da wird im Vorfeld der Kapitän und evtl. ein beschützter Fahrer festgelegt und fertig. Da wird offensichtlich nicht mehr gerüttelt. Und schon gar nicht während des Rennens – man hätte bei Boasson-Hagen evtl. früher im Begleitfahrzeug reagieren können. Warum man überhaupt nicht den in Top-Form fahrenden Geraint Thomas als Kapitän für Roubaix ausgewählt hat, ist mir schleierhaft – immerhin hat er heuer bereits bestätigt, dass er auf dem Pflaster vorne mitfahren kann, was der Norweger bisher mMn für 2014 nicht gemacht hat.

Dass man Wiggins offensichtlich als Kapitän (und nicht, wie angekündigt, als Super-Domestike, der hat nix gehakelt am Sonntag) aufgestellt hat, verstehe ich ebenso nicht. Für Roubaix braucht es Erfahrung auf den Pavées, die hat Wiggo nicht. Da braucht’s schon Ausnahmetalente wie Boonen oder Cancellara, die schon relativ früh auf Kopfsteinpflaster reüssiert haben. Respekt für seine Leistung verdient er trotzdem, ein Toursieger, der in der Hölle des Nordens halbwegs erfolgreich fährt, ist einmal etwas Besonderes. Das kann man sicher gut vermarkten (ähnlich wie bei der Tour 2012, wo Wiggo besser als Froome vermarktbar war?).

Eisel bei der Österreich-Rundfahrt 2013

Eisel bei der Österreich-Rundfahrt 2013

Und Eisel? Wird 13., obwohl er wieder fleißig gearbeitet hat. Der ist übrigens schon mehr als 10mal auf dem Pflaster in Richtung Roubaix gerumpelt und kann bei den Frühjahrsklassikern gut bzw. sehr gut fahren (http://eisel.com/index.php/zur-person/). Sogar bei FdJeux, wo er meist auf sich alleine gestellt war, fuhr er relativ gut. Bei High-Road sowieso, dort bekam er auch Unterstützung.

Daher wäre für mich eine Doppelspitze mit Thomas und Eisel einfach besser gewesen. Die beiden waren in Form, hatten diese heuer schon bestätigt und haben die Erfahrung. Theoretisch hätte Thomas dann in der Gruppe am Schluss mehr Körner gehabt, hätte eventuell noch eine Aktion setzen können und Eisel ist endschnell, wenngleich auch nicht so schnell wie John Degenkolb (GER) z.B., aber auf der Radrennbahn in Roubaix nach 260 km laufen die Sprints nicht immer nach „Schema F“ ab.

Omega-Pharma-Quick-Step hat alles richtig gemacht, obwohl vielleicht gar nicht der richtige Fahrer gewonnen hat und die Chefs Boonen Stybar überhaupt nicht in Top-Form waren. Das hat flexibel ausgesehen, Patrick Lefevere hat da offensichtlich keine derart technokratisch-engstirnigen Ansichten für die Klassiker. Auch war die Klassiker-Saison – mit Ausnahme von Flandern – bisher ganz gut, es haben viele unterschiedliche Fahrer aus dem belgischen Team gewonnen. Klug wurde auch Boonens Status genutzt, der viel Aufmerksamkeit auf sich zog und auch fleißig mannschaftsdienlich gefahren ist. Und bis auf Terpstra, der heuer schon sehr sehr viele Top-Ergebnisse hatte http://www.radsport-news.com/sport/sportresults.htm) fuhren die OPQS-Mannen bei ihren Saisonhöhepunkten mMn auch gar nicht in Top-Form. Trotzdem stark genug am Sonntag, um 3 Fahrer vorne in der entscheidenden Gruppe zu platzieren. Attacke Terpstra und schauen, was passiert. Clever, finde ich. Übrigens kein neuer Schmäh von Lefevere, allerdings schon 13 Jahre zurück. Schlag‘ nach bei Servais Knaven und Paris-Roubaix 2001.

P.S.: nicht bei Sky, aber aus Österreich: Matthias Krizek (Cannondale) auf Rang 87. Super!

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