Raketentest in der Türkei

Schön an der Auszeit ist, dass man sich auch zu Unzeiten Ausreden für eigenes Training auf Eurosport suchen kann. Abgesehen von der Snooker-WM läuft da dzt. die Presidential Tour of Turkey. Und da hat Cavendish (Omega-Pharma-Quick-Step) heute die zweite Etappe gewonnen. Jeweils natürlich relativ flache Sprinteretappen, die in einem Massensprint endeten.

Ich finde derartige Etappen trotz einer gewissen Monotonie, immerhin wird ja eine Ausreißergruppe an unterschiedlich langen Leinen geführt, äußerst spannend. Welche Teams fahren mit welchem Effort der Ausreißergruppe nach? Wie bereiten sie den Sprintzug vor? Wie führen sie ihn aus? Und vor allem: Was läuft auf den letzten Kilometern, speziell nach Passage des roten Teufelslappens 1000 m vor dem Ziel? Faszinierend finde ich auch, wie sich das Feld aus vielen Fahrern einer einzigen Lebensform gleich kollektiv den Straßengegebenheiten mit Kreisverkehren, Engstellen und Kurven anpasst.

„Treno Rosso“. Der rote Sprintzug. Etabliert „damals“ vom Team Saeco mit Mario Cipollini. Diese Taktik hat sich im Wesentlichen gehalten, wenn auch oftmals diverse Sprinter auf eigene Faust ohne großartige Mannschaftsunterstützung reüssierten. Z.B. der australische „giftige Sprintkobold“ (Zitat Peter Winnen) Robbie McEwen. Metaphorisch wird sehr sehr oft die Rakete, die mit unglaublicher Geschwindigkeit ihrer Destination entgegenrast, herangezogen. Stufe um Stufe bricht weg, jede einzelne Stufe ist essentiell wichtig, kommt aber nie dort an, wo dann die Raumkapsel hinkommt, die Stufen werden abgesprengt und stürzen auf die Erde zurück. Stufe um Stufe. Die ersten Stufen machen die Nachführarbeit im Wind, die weiteren die Sprintvorbereitung, in den letzten Stufen wird dann der Sprint angefahren und der Sprint-Kapitän, der der Raumkapsel entspricht, in die Atmosphäre oder darüber hinaus katapultiert, die einzelnen Fahrer des Sprintzugs werden für den Erfolg des Einzelnen geopfert, verbraucht, sie scheren aus, werden sinnbildlich abgesprengt. Hier auch ein Hinweis auf die mich mittlerweile nervenden Vergleiche der Arbeitswelt mit Fußballteams oder Schiffen und deren Besatzung. Ob’s nicht oft auch eine mehrstufige Rakete ist, die die Vorkommnisse besser widerspiegeln?

Dass Omega-Pharma-Quick-Step mit Alessandro Petacchi und dem heimgeholten verlorenen Sohn Mark Renshaw wohl die besten Sprintanfahrer des Pélotons haben, ist bekannt. Beim Durchlesen der Starterliste und des Kaders von OPQS lese ich da aber noch Namen wie Iljo Keisse, Gert Steegmans oder Gianni Meersmann. Da gibt’s auch noch tempoharte Fahrer wie Tony Martin, Michal Kwiatkowski oder Niki Terpstra. Tom Boonen sollte auch erwähnt werden, dieser wird aber wohl selten mit Cavendish im gleichen Rennen starten. Die nominelle Qualität, die Cavendish im Sprintzug zur Verfügung steht ist enorm. Mit solchen Vordermännern muss man ja quasi einen jeden Massensprint gewinnen. Der Druck bei Cavendish sei groß, meint auch Jean Claude (Jean Claude LeClercq; Kommentator bei Eurosport und Ex-Profi).

Massensprints und deren Vorbereitung sind allerdings nicht einfach, die einzelnen Stufen der Rakete müssen als gesamter Sprintzug perfekt aufeinander abgestimmt funktionieren. Die OPQS-Rakete wird gerade eindrucksvoll in der Türkei mit Cavendish, Renshaw, Keisse, Meersman, Petacchi und Steegmans getestet. Sieht bis jetzt super aus. Selbst ein ziemlich außer Form befindlicher Cavendish tritt relativ locker und erfolgreich in die Umlaufbahn ein.

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