Girofieber

Während die Pros in Italien nach dem Motto „Fight for Pink“ Etappensiegen, rosa Trikots oder sonstigen nachjagten, lag ich zuhause mit Halsschmerzen, Schnupfen und persönlichem Girofieber flach. Ich verschlief jeweils den halben Tag (die Nacht sowieso) und auch sonst war die Zeit daheim, wenn man eigentlich nix machen kann, frustrierend unspektakulär. Das Einzige, was mich etwas aus der Tristesse holte, war eben der Giro d’Italia.

Schon vor meiner Verkühlung hatte ich die Italienrundfahrt verfolgt: Interessantes Rennen auch heuer wieder. Und wenn’s nicht gerade regnet, wie heuer öfters, gibt’s auch viel an Landschaft zu bewundern. Die Vergleiche zwischen Tour de France und Giro, die sich stets um höhere Spannung hier oder da, mehr oder weniger Stars im Starterfeld da wie dort und um mehr oder weniger interessante Rennverläufe lasse ich mal aus. Jedenfalls bin ich sehr froh über die radsportliche Abwechslung, die mir der Giro bot, denn abseits der TV-Übertragungen, gibt’s viel nachzulesen, was mit Tablet auch in der horizontalen Position gut funktioniert.

Wenigstens war das Wetter auch schlecht, so musste ich mich nicht auch noch zusätzlich über nicht gefahrene Kilometer ärgern. Dafür wusste ich, dass sich meine KollegInnen in der Arbeit grad aufgrund meiner Abwesenheit doch ordentlich zusätzlich plagen mussten, was ich auch nicht gerade toll fand.

Am Mittwoch gewann Sacha Modolo einen schön vorbereiteten Sprint in der wunderbaren Seenlandschaft Norditaliens, dann Phil Gilbert als Solist. Sah beides gut aus. Am Dienstag ging’s über den unglaublich steilen Mortirolo. War eine tolle Etappe, die ich mir erst in der Wiederholung ansehen konnte:  Am Fuße des Mortirolo, kurz nachdem der Leader im Gesamtklassement, Alberto Contador aus Spanien, seine Mannschaft in der Verfolgungsarbeit verschlissen hat – Contador hatte am Berg zuvor einen Defekt und niemand wartete (ja, der Bertl hat 2010 bei der Tour auch nicht auf den Andy gewartet) – bin ich eingeschlafen. Als der junge italienische Lokalmatador Fabio Aru mit Verspätung ins Ziel fuhr, schlug ich wieder die Augen auf. Sowas passiert halt, wenn man während des Giros mit Fieber dahinvegetiert. Ahja, dann war gestern noch ein Ego-Trip von Contador als Racheaktion für den Dienstag zu bewundern und heute zeigte Fabio Aru eine radsportliche Wiederauferstehung. Letzteres versäumte ich allerdings, habe mich heute ins Büro begeben.

Buchtipp! Apropos Girofieber: Da gibt’s ein kurzweiliges Buch von Marco Pinotti und Gijs Zandbergen aus 2006 mit gleichem Namen. Nach einem schlimmen Sturz von Pinotti hatte der niederländische Journalist Zandbergen ein paar aufmunternde Worte an den Italiener gerichtet. Daraus entstand dann ein netter Briefverkehr zwischen beiden, der schlussendlich in einem Buch abgedruckt wurde. Pinotti hat mittlerweile seine Karriere beendet und war dabei eher der Domestique und kein schillernder Star. Speziell das macht bzw. machte ihn sympathisch und die Geschichten im Buch interessant. Nach der Buchveröffentlichung konnte der mehrmalige italienische Zeitfahrmeister dann übrigens auch tatsächlich nach beim Giro das Rosa Trikot für einen Tag überstreifen – er erfüllte sich damit den Traum, der im Buch geschildert wird – und auch noch ein paar andere nette Erfolge feiern, was für einen Domestique dann doch eine schöne Erfolgsliste ergibt. Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch über den Alltag eines Radprofis einerseits und den nicht unsympathischen leidenschaftlichen Radsporteinsichten eines Journalisten und Fans . Im Juli 2013, nach dem Einzelzeitfahren der Österreichrundfahrt in Podersdorf, hielt ich Pinotti übrigens sein Buch zum Signieren unter die Nase („Signore Pinotti, would you please be so kind and sign your book?“), was der sympathische Italiener mit einem leisen, etwas ungläubigen Lachen und einem Autogramm quittierte.

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3 Kommentare
  1. Du auch? Ich dachte, ich sei der Einzige, der es schafft, sich im sonnigen Mai eine Erkältung einzufangen…

    • ja… wenn’s wärmer wird, hat es auch das viren-peloton leichter 😉 in der sogenannten übergangszeit (wie man sie auch immer definieren möchte (für mich: märz, april, mai, september, oktober) mittlerweile geht’s aber wieder. wünsche dir gute besserung!

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