Hitze

Nur die Harten kommen in den Garten und von denen auch nur die 10 %, die Steine fressen. Und von denen auch nur die, die bei jenseits von 35 Grad eine Rennrad-Ausfahrt machen. Das mit dem Steinefressen muss ich mir noch überlegen (wobei sich das Weckerl einer Backwarenkette letztens schon granitmäßig anfühlte), aber die Pläne, heute schwimmen zu gehen, waren mit den ersten Bildern der Tour-De-France-Übertragung passé. Rauf auf’s Rad und raus in die Hitze (aber vorher noch das mobile Klimagerät daheim aufgedreht, damit’s bei der Rückkehr auch schon kühl ist).

Irgendwas von 38 Grad hatte Frau Kummer bei der Wettervorhersage gestern erwähnt. Glücklicherweise hat sich der von ihr vorausgesagte lebhafte Südwind auch tatsächlich zur Gluthitze gesellt, was das Ganze gleich mal verhältnismäßig angenehmer macht. Die heiße Luftwatsch’n beim Verlassen des Hauses war weniger schlimm, als befürchtet.

Es heißt, viel Flüssigkeit solle man aufnehmen, bevor man eine Hitze-Ausfahrt macht. Als ich nach nicht mal einer halben Stunde auf dem Rad bereits schiffen musste und glücklicherweise ein schattiges Plätzchen dafür fand, fragte ich mich schon, warum man Flüssigkeit erstens nicht kamelmäßig speichern und weiters aus der Blase nicht irgendwie resorbieren kann… Das wäre doch super und bei Sahara-Temperaturen was Evolutionär-Revolutionäres.

Stopps sind übrigens nicht zu empfehlen. Schon gar nicht an windgeschützten Plätzen in der prallen Sonne. Rote Ampeln tun heute richtig weh und bringen die Rübe unter’m Helm zum kochen und den Körper zum schweißbedingten Auslaufen. Auch der erste Stopp beim Wasserspender am Kraftwerk Freudenau ist eine heiße Angelegenheit. Ab hier ist es dann mit dem Schatten aus, denn irgendeine hitzebedingt doofe Eingebung führte mich südlich in Richtung Flughafen, anstatt umzudrehen. Ich fürchtete mich schon vor der Ampel, die mich linksabbiegend auf die B9 am Flughafen vorbei nach Fischamend führen sollte. Die hat nämlich einen sonderbaren Bewegungssensor, der mich als Radfahrer nicht wirklich erfasst. Als ich abstieg, hatte ich das Gefühl zu schmelzen, obwohl die Ampel heute überraschenderweise relativ schnell auf Grün umsprang. Glaube ich zumindest, die genaue Erinnerung an die tatsächliche Wartezeit ist irgendwie verdampft – vielleicht bin ich auch 5 Minuten dort in Hitzestase gestanden.

Vorbei am Airport Wien-Schwechat ging‘s dann eine leichte Steigung hinauf, um dann wieder in Fischamend runterzufahren. Aus meinem kochenden Gehirn destillierte sich  dann doch die Idee, vielleicht doch dort beim Kreisverkehr umzukehren. Zurück dann bergauf inklusive Rückenwind: Das Schlimmste bei derartiger Hitze. Ich hatte das Gefühl, dass sich mein Lenker langsam aufgrund der Temperatureinwirkung leicht nach unten bog und der Rahmen meines Look 586 weicher wurde. Verdunstet war mittlerweile auch jegliche Kraft, als ich mich bergauf quälte und die Beine verbogen sich auch irgendwie.

Und was das Hitze-Erlebnis noch perfekt machte, war das mittlerweile teewarm gewordene Gesöff in den Trinkflaschen. Selbst die bei normalen Temperaturen wohlschmeckendste Iso-Kreation schmeckt in heißem Zustand einfach nicht – Wasser, kühles Wasser, ein Königreich bzw. ein Carbon-Rahmen für kühles Wasser.

Ob ich dann tatsächlich am Flughafenzaun stand und ein paar landende Flieger aus der Nähe anzusehen, weiß ich nicht. Das könnte auch ein Fiebertraum gewesen sein. Als ich wieder zu mir kam, stoppte ich wieder am Hydranten beim Kraftwerk Freudenau und tankte Wasser, Unmengen kühles Wiener Hochquellwasser, nach. Mein Hirn war offensichtlich teilweise schon angesengt.

Als ich dann in Erwartung von relativ gesehen kühlen Temperaturen in meiner Wohnung die letzten Meter zu meiner Wohnung kroch, fragte ich mich, ob solche Ausfahrten nun Bikram-Radlfoahrn heißen dürfen. Und ob sie dann auch so cool, wie diese Yoga-Spielart, oder einfach Sport in der Hitze wären, weiß ich nicht und ist mir egal.

Als ich meine Wohnung betrat, freute ich mich dann doch sehr über die 28 Grad in der Wohnung, die sich im Vergleich zum Kochtopf draußen wie kühle 20 Grad anfühlten. Die kühle Dusche entschädigte dann ebenfalls sehr und die Tour-Übertragung der letzten 40 Kilometer schmeckte nach absolviertem Training ungleich süßer. Schwimmen gehen bei 35 Grad? Kann jeder. Und ich verstand nun auch nicht mehr, warum ich überhaupt an‘s Schwimmengehen dachte.

Ein paar Hitzetipps: Helles Trikot mit durchgehendem Reißverschluss, den man aufmachen kann, Sonnencreme (v.a. auf die Nase, damit man nicht wie ein Saftler mit roter Nase aussieht). Flache Strecken mit schattigen Passagen suchen (z.B. Donauinsel im oberen oder unteren Bereich, da sind auch weniger Leute) und viel trinken, auch wenn das warme Gesöff noch so grausig schmeckt. Die Strecke so gestalten, dass man unterwegs nachtanken kann (z.B. eben auf der Donauinsel). Keine großen Anstrengungen beim Fahren, der Körper ist ohnehin schon mit Kühlung beschäftigt. Und einfach fahren, das Leiden genießen und an den Winter denken…

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6 Kommentare
  1. Als ich im vergangenen Jahr ausgerechnet am heißesten Tag des Jahre von Leipzig nach Berlin fuhr, hielt ich unterwegs in einem Café. Drinnen war es angenehm kühl, trotzdem musste ich gleich wieder raus vor die Tür in die Sonne: Mir begann nämlich kurz nach dem Anhalten der Schweiß in Sturzbächen herunter zu rinnen. Die Pfützen auf dem Boden und dem Sessel konnte ich den Cafébetreibern nicht zumuten. Anhalten ist also in der Tat problematisch.

    Dieser Jahr habe ich am bislang heißesten Tag des Jahres die Runde kürzer gestaltet. Offen gesagt war die letzte Stunde aber dennoch zu viel und kein Vergnügen mehr. Man müsste sich sehr, sehr früh morgens den Wecker stellen…

    • …und genau das ist mein problem: morgens früh den wecker stellen. unmöglich, dazu reicht die selbstdiziplin nicht. ich mach’s halt ebenso, wie du – ausfahrten kürzer gestalten, nicht übertreiben 🙂 und wenn man dann doch fährt, das leiden genießen 🙂

      • Ich bin erleichtert zu hören, dass ich nicht alleine damit bin, gerne mal auszuschlafen. Neulich ist ein Freund von mir um 5:30 Uhr (!) losgefahren. Ich habe die Woche drauf versucht, das in einem dramatischen Selbstversuch nachzumachen. Gut, nicht um 5:30 loszufahren, aber wenigstens für 5:30 den Wecker zu stellen. Tja, was soll ich sagen, so gegen 9:00 bin ich aufs Rad…

  2. Super geschrieben! Mußte gerade lachen… Ja ich war diese Woche in der Boulderbar, auch zum „Bikram bouldern“… hab mit dem Thomas noch darüber gescherzt das wir deppen sogar noch an eintritt zahlen für sowas. Schene Grais Peda

    • danke 🙂 es gibt bikram-bouldern? na servas 😉 aber wenigstens ist die große hitze vorbei und in köln die tage beim amphi-festval war’s auch regnerisch (glücklicherweise viel indoor).

      • Zum Glück haben wir im Theater eine Klimaanlage auf der Bühne 😉

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