Materialfrage beim Zeitfahren

Rad%20(11)

Die beiden Zeitfahren der diesjährigen Tour de France waren sehr interessant. Allein schon vom Profil der beiden Prüfungen gehen die Uhr: Etappe Nummer 13 war ein 37,5 km langes Zeitfahren, das ziemlich anspruchsvoll war, ging es doch über einige Höhenmeter. Gewonnen wurde dieses anspruchsvolle Zeitfahren von Tom Dumoulin (NED). Etappe Nummer 18 war ein etwas eigenartiges Bergzeitfahren, weil es nicht mit einem Steilstück, sondern mit einer Abfahrt endete – meiner Meinung nach war es für ein Bergzeitfahren auch relativ flach für die Profis. Froome gewann souverän.

Interessant waren beide Zeitfahren auch wegen der Materialwahl. Das erste, flachere Zeitfahren wurde zusätzlich noch von starkem Sturm mit extremen Böen begleitet. Die Profis wählten unterschiedliches Material, es wurde nicht immer ein Scheibenrad eingesetzt und auch die Vorderräder hatten unterschiedlich hohe Felgen. Seitenwind ist halt schon so eine Sache, wenn man auf dem Zeitfahrrad sitzt, nicht ganz ungefährlich, das spektakuläre Bild von Julian Alaphilippe’s Sturz, bei dem er von einer Böe abgeräumt wurde und dabei eine Felswand hochfuhr, blieb mir in Erinnerung (http://www.foxsports.com/other/story/tour-de-france-walks-away-after-terrifying-mountainside-crash-071616).

Eine Kombination bei der Laufradwahl sah ich jedoch öfters: Scheibe hinten und eine nicht ganz so hohe Felge vorne. Klar, die Profis können mit ihren Rädern, auch den TT-Bikes umgehen, die sind ja fast mit einem Fahrrad zwischen den Beinen auf die Welt gekommen. So gute Fähigkeiten beim Bike-Handling kann ich natürlich nicht aufweisen. Die beschriebene Kombination aus einer Scheibe hinten und einer nicht ganz so hohen Felge vorne würde ich aber auch für ein stürmisches Zeitfahren wählen. Ich habe dieses Setup schon im Training, aber auch in einem Wettbewerb (Duathlon Parndorf 2011 mit Seitenwind von 80-90 km/h; siehe Foto – ganz einfach war das Fahren aber dann trotzdem nicht) testen können. Dabei habe ich bemerkt, dass es nicht so sehr das Scheibenrad hinten ist, das einem das Fahren bei Seitenwind erschwert: Beim Vorderrad spielt die Musik! Vor allem, wenn man die Unterarme an den Auflegern hat. Ich hatte das Gefühl, dass die Böen eigentlich nur am Vorderrad so richtig „angerissen“ haben. Konkret heißt das: Vorne eine 30 mm hohe Felge, hinten die Scheibe. Das ergibt doch wohl aerodynamische Effekte durch die Scheibe (die meisten Hobby-Veranstaltungen haben ja einen Rundkurs, wo man den Wind somit quasi am Ende aus allen Richtungen gehabt hat) und leichteres Handling durch ein wenig windanfälliges Vorderrad. Von einem Sturm-Setup von hohen Felgen vorne und hinten halte ich nicht viel, obwohl man’s sehr oft sieht. Zwar sind moderne Felgen, auch die hohen, weniger seitenwindanfällig als früher, aber wenn’s wirklich stürmt, ist das Handling auch mit modernen hohen Felgen (am Vorderrad) einfach schwerer, kostet wohl Zeit und weniger sicher.

Beim Bergzeitfahren der 18. Etappe hat man eigentlich sämtliche Materialkombinationen, die so ein Mannschaftstruck eines Profiteams hergibt, gesehen. Straßenrad, Zeitfahrrad, Scheibe, Tri-Spoke, Clip-On’s, etc. Alles vielfältig und kreativ kombiniert. Was hätte ich gewählt? Abgesehen davon, dass ich mich bei Wettbewerben, wo’s stark bergig ist (zumindest für mich) eher selten anmelde… Auf bergigen Strecken, die ich bisher gefahren bin, war ich stets mit dem normalen Straßenrenner mit möglichst leichtem Setup unterwegs. Clip-On’s habe ich nie verwendet, weil sie mir nicht gefallen. Das Auge fährt ja mit. Vorher habe ich beschrieben, dass fast alle Hobby-Bewerbe einen Rundkurs aufweisen. D.h., den Berg, den man hinauf gefahren ist, muss man auch in einer Abfahrt wieder runter. Und da habe ich den Straßenrenner einfach besser im Griff und bin sicher damit schneller. Oft gibt’s aber Kurse, wo die Wahl schwierig ist und man sich auf das Gefühl verlassen muss. In meiner Leistungskategorie – treten muss man ja immer noch selber – kann man aber durch Materialwahl mMn auch nicht viel kaputt machen oder gewinnen.

Vielleicht habt Ihr ja auch Erfahrungen beim Zeitfahren und der Materialwahl – würde mich über einen Kommentar freuen!

 

P.S.: Was fuhren die Sieger? Froome prügelte sein Pinarello-TT-Bike im Standardsetup (Scheibe und Trispoke) nach oben zum Sieg auf der 18. Etappe. Dumoulin gewann die stürmische 13. Etappe am TT-Bike von Giant mit Scheibe hinten und 50-mm-Felge (wer kann, der kann) vorne.

P.P.S.: http://www.cyclingnews.com/tour-de-france/photos/ hier gibt’s Fotos von der Tour, wo man tw. auch das Zeitfahrmaterial einzelner Athleten sieht.

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Rennradblog Geradeaus

Rennradfahren, Essen und Spaß am Leben.

emme-eppe

die Magie der kleinen Dinge

VeloKick.net

laufen - rollern - radeln

Takeshi fährt Rad

Frau, Stahl, Asphalt, Kilometer.

Wiener Bahn-O-Rama

#gofastturnleft

Drei Engel für Ötzi

Rennrad-Transalp mit Marina, Anne und Dani

Die Rennschnecke

Lauf- und Triathlon-Blog

Eiswuerfel Im Schuh

DAS Triathlon & Fitness Blog - ein Blog von einer Triathletin und einem begeisterten Sportfotografen mit Wettkampfbeschreibungen, Trainingsgeschichten, Veranstaltungsbeiträgen, Fotostrecken für Sportunternehmen, Reiseberichte, Tech-Talks, Rezepte,…

diegneistdotcom.wordpress.com/

Personal- und Organisationsentwicklung

Triathlove

Drei Sportarten, zwei Wechsel, eine Liebe.

Auf dem Weg zum Ironman

Training, Strecken, Material, Tipps und alles was man noch so beim Trithlon erleben kann.

mweihrauch.de

Lauf- & Triathlonblog: Hier raucht's richtig

die rote laterne

am ende des hobby-pelotons

Triathlon statt Rollstuhl

Wie sich eine junge Frau trotz Multipler Sklerose nicht unterkriegen lässt und ihren Traum vom Triathlon erfüllt

%d Bloggern gefällt das: