Tipps für’s Bahnradfahren

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Seit Feber 2017 fahre nun auch ich deppert im Kreis. Und es macht mir unglaublich viel Spaß. Das Kreisen auf der Bahn ist zwar nach wie vor Radfahren, es ist aber anders und es gibt viele Dinge zu beachten.

Das Fahren selbst ist schon mal anders. Ein Bahnrad hat keinen Freilauf, sondern eine starre Nabe. D.h., man muss immer kurbeln und darf keinesfalls damit aufhören, solange man in Fahrt ist, sonst „bockt“ das Rad und schnell kommt’s zu brenzligen Situationen oder sogar zum Sturz. Das braucht ein wenig, bis man das verinnerlicht hat.

Und da war noch das mit den Bremsen… Ein Bahnrad hat keine Bremsen. Alleine diese Tatsache verursachte bei mir, bevor ich doch den Schritt auf die Bahn machte, ordentliches Stirnrunzeln und auch ein wenig Angst. Bis ich verinnerlicht hatte: Es hat ja auch sonst niemand Bremsen! Und es gibt, vorausschauende Fahrweise vorausgesetzt, auf der Bahn auch keinen Grund zu bremsen. Langsameren Fahrern weicht man aus. Natürlich kann man die Geschwindigkeit auch – begrenzt – anders variieren, das geht mit – naja, wie beschreibe ich das jetzt – behutsamen, passiven Krafteinsatz gegen die Pedaldrehung, quasi leichtem Kontern.

Und die Beschaffenheit einer Radbahn ist auch etwas ganz Besonderes: Ich kann mich noch erinnern, wie mir beim ersten Betreten des Innenraums des Dusika-Stadions in Wien beim Anblick der 45°-Grad-Neigung der Kurven das Herz ins Sitzpolster der Hose gerutscht ist. Wie eine Holzwand mit farbigen Querstrichen! Ich lernte aber schnell, der Physik zu vertrauen: Fährt man schneller als 32 km/h, rutscht man nicht runter. Und je schneller man fährt, desto besser wird das Gefühl beim Fahren in der Schräglage.

Was habe ich zum vorher erwähnten vorausschauenden Fahren gelernt? Der ganz dicke hellblaue Streifen ganz unten der Bahn („Côte d’Azur“), dort wo die Steigung der Kurven noch nicht richtig anfängt, sollte nur gekreuzt, aber nie befahren werden, sonst wird’s in der Kurve eng, denn: Zwischen schwarzer und roter Linie ist ein Korridor, den man zum „normalen“ Fahren benutzen darf. Und zusammen mit der Kurvenneigung und der Neigung des Fahrers in der Kurve selbst, kann das schon höllisch knapp werden, bzw. geht es sich eigentlich nicht aus. Der Raum zwischen schwarzer (Messlinie) und roter Linie (Sprinterlinie) ist mehr oder weniger der „Standard-Korridor“, wo doch die meisten Leut‘ auf der Bahn fahren. Dort fährt man sein Tempo oder beteiligt sich an einer Gruppe, die wiederum stets nur aus einer Einerreihe bestehen sollte.

Sollte man eine Gruppe oder einen einzelnen Fahrer, der in diesem Korridor fährt, überholen wollen, dann macht man dies mit einer Fahrt im Raum zwischen roter und dünner, blauen Linie weiter oben auf der Bahn (Steherlinie). Sobald der Überholvorgang abgeschlossen ist, reiht man sich wieder im unteren Korridor zwischen Schwarz und Rot ein. Dabei lässt man bevorzugt auch Platz für Leute, die im Windschatten sind und hält auch einen sicheren Abstand zum Überholten/zu den Überholten ein. Es ist beim Überholen unumgänglich, dass man vorher nach hinten sieht – manche Bahnfahrer sind einfach verdammt schnell und kommen daher recht rasch daher… Ein Zeichen mit dem rechten Arm (man kann dabei die Hand am Lenker lassen) schadet auch nicht. Ich versuche mir beim Fahren alleine oder an der Spitze einer Gruppe öfters durch einen Blick nach hinten Übersicht zu verschaffen. Auf den Geraden kann man über die rechte Schulter schau’n, auch in den Kurven sollten man das tun. Für einen Überblick kann man aber auch ab und an über die linke Schulter blicken. Ahja, man überholt immer rechts! Soweit ich weiß, sollte man nicht „innen durchfahren“.

Gruppenfahren – wenn man eine Gruppe anführt: Aus der Führung wird auch nach rechts gegangen, am besten am Kurveneingang (man bekommt schon ein Gefühl, wann das passt): Nachdem man sich versichert hat, dass von hinten niemand kommt, schert man nach rechts aus, fährt in den Korridor zwischen roter und blauer Linie, wartet, bis die Gruppe passiert ist und schließt dann wieder an – gutes Timing hat man bewiesen, wenn man das Gefälle am Kurvenausgang nutzen kann, um wieder mit Schwung in den Windschatten hinter dem letzten Fahrer der Gruppe zu kommen. Vielleicht sollte man nicht den ganzen „Überholkorridor“ benutzen, denn wenn die Gruppe größer ist, kann der Überholvorgang etwas dauern und es kann ein sehr schneller Fahrer bereits von hinten wieder herankommen – der sollte für diesen Notfall auch noch Platz im „Überholkorridor“ bzw. auf und über der Steherlinie haben. Ganz allgemein gelten beim Fahren in der Gruppe die „normalen“ Regeln, die man auch von der Straße kennt (z.B. Anzeigen, wenn man in den Wiegetritt geht, Spur halten,…).

Der Raum oberhalb der dünnen blauen Linie bildet einen zweiten Korridor, wo „normal“ gefahren werden darf. Da ist’s aber gewöhnungsbedürftig, denn man fährt da schon recht weit oben, aber man kann dort die Gänsehaut beim Blick nach unten genießen. Durch den Übergang von den flacheren Geraden in die geneigten Kurven – es geht quasi ein wenig bergauf – ist’s dort auch etwas anstrengender zu fahren (umgekehrt geht’s auch wieder bergab). Und auch weil der Kurvenradius größer ist (unabhängig von der Geschwindigkeit), darf im oberen Korridor langsamer (oder auch schneller) gefahren werden, als im Korridor zwischen roter und schwarzer Linie. „Überholkorridor“ gibt’s dort keinen, aber da gelten auch die vorher beschriebenen Regeln zum Überholen, halt ohne rote Linie.

Grundsätzlich gilt: Unbedingt rücksichtsvoll fahren (auch wenn’s immer wieder ein paar supercoole Kasperln gibt), schauen, dass man niemanden gefährdet und eben vorausschauend fahren und stets den Überblick haben. Und man sollte auch seine Fahrlinie halbwegs einhalten, v.a. in der Gruppe, aber auch, wenn man alleine unterwegs ist.

Zum Fahren gehören übrigens auch das Stehenbleiben: Oben habe ich schon über „Kontern“ gesprochen, mit dem begrenzte Geschwindigkeitsreduktion möglich ist. Und genau das setzt man auch beim Stehenbleiben ein. Eben dieses Stehenbleiben darf ausschließlich unter der dicken hellbblauen Côte d‘Azur geschehen. Das ist auch der Bereich, wo man sich etwas aufwärmen kann, bevor man richtig über die Côte d’Azur hinaus in die Schräge geht, ebenso empfiehlt sich dort ein Ausrollen. Hinsichtlich des Ausrollens möchte ich noch anmerken: Wenn man in einer Gruppe fährt, trotzdem immer zuerst nach rechts die Gruppe verlassen und dann erst, wenn Platz ist, nach links zum Cool-Down. Im Dusikastadion darf während des Trainings nur die Holzbahn und weder die Laufbahn, noch der Innenraum befahren werden, was aber so manche FahrerInnen nicht kapieren. Das dient der Sicherheit, denn der Innenraum bzw. die Laufbahn ist Trainingsbereich für die Leichtathletik sowie das Turnen.

Was gibt’s sonst noch… z.B. sind während des Fahrens keine Trinkflaschen erlaubt, weder im Flaschenhalter, noch in der Trikottasche. Es empfiehlt sich, ein kleines Flüssigkeitsdepot im Innenbereich, wo auch die Räder an Ständern aufgehängt werden können, anzulegen. Bahnfahren kann ganz schön schweißtreibend werden! Weiters ist die Luft auch relativ trocken, da fühlt sich Trinken auch ganz gut an. Ich fahre auch mit Radbrille, das tut meinen Augen bei der trockenen Luft ganz gut. Im Dusikastadion kann man sein Bahnrad auch von September bis Ende April lagern, da gibt’s Räume, wo man das Rad aufhängen kann, 2 Schlösser als Diebstahlsicherung sind ratsam, ich persönlich übertreibe es mit 4 Schlössern…

Weiter oben steht was von rücksichtsvollem Fahren. Abgesehen vom Fahren sollte man sich nicht wie auf dem Fußballplatz benehmen, was z.B. beinhaltet, dass man nicht auf die Bahn spuckt oder rotzt. Und man sollte normal miteinander reden und nicht jemanden gleich anfäulen, wenn er/sie was nicht richtig macht.

Zum Schluss noch die Formalitäten, damit man überhaupt auf der Bahn im Dusika-Stadion fahren darf: Zunächst mal das Trainingslizenzformular runterladen (unter www. Radsportverband.at bei den Downloads; für 2017 ist das Formular hier zu finden: http://www.radsportverband.at/index.php/oerv-downloads/bahn/antrag-trainingslizenz-bahn-2017). Ausdrucken, Ausfüllen und an den ÖRV senden. Dann bekommt man ein Mail, auf das angeführte Konto sind dann 105 EUR (Stand 2017) zu überweisen. Man wird dann in die Liste der zum Training auf der Bahn lizensierten Fahrer eingetragen. Lizenzkarte gibt’s keine. Anschließend bekommt man noch die Zutrittskarte für das Dusika-Stadion zugesandt. Wichtig ist auch, dass man sich hier http://www.radsportverband.at/index.php/portale/bahn/allgemeines-bahn auch noch ansieht, wann das Training möglich ist (es gibt eine fixe Trainingseinteilung, ab und an ist das Training aber aus diversen Gründen nicht möglich). Dann muss man nur noch hingehen, den Sportlereingang anvisieren (vom Stadioncenter kommend rechtsrum, bis man ansteht) und dort dann hoffen, dass die Zutrittskarte funktioniert (immer an den Sensor halten, auch, wenn man mit anderen SportlerInnen reingeht; beim Rausgehen braucht man sie auch). Weiter rechtsrum innen ist dann auch der Aufgang zu den Garderoben (gibt getrennte Garderoben für Männlein und Weiblein) zu finden. Vor den Aufgängen ist dann auch der Durchgang zum Inneren des Holzovals. Die Reifen kann man dort auch aufpumpen. Njo… Dann nur noch Fahren… Und Spaß haben!

 

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