Helden dürfen nicht sterben

Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix sind stets Highlights in meinem Saisonkalender als Passiv-Radsportler. Obwohl ich es selbst als furchtbar empfinde, über Kopfsteinpflaster zu rumpeln (dabei hat der Pflasteruntergrund hierzulande bei Weitem eine bessere Qualität als der bei Paris-Roubaix), sehe ich den Stars gerne dabei zu. Spannende Rennen, tolle Leistungen der Fahrer und ganz viel von dem, was Radsport sonst noch ausmacht: Tradition, Leiden, Helden.

Fernseh-Radsport ist für mich immer auch ein wenig Eskapismus, ein Eintauchen in eine Welt, wo der Misserfolg eines persönlich favorisierten Rennfahrers schon eine kleine Tragödie darstellen kann. Hier scheint die Welt in Ordnung zu sein, während man den Bildern folgt, mitfiebert und den Eurosport-Kommentatoren lauscht. Nicht mal Stürze können diese heile Welt trüben, denn die zerschundenen Fahrer steigen fast immer wieder auf’s Rad, setzen ihre Fahrt fort und erzählen somit die Geschichte der Leidensfähigkeit beim Sport in einer verklärten Art und Weise weiter. Eine Essenz des Radsports: Das glorifizierte Leiden!

Es gibt aber immer wieder Ereignisse, die diese heile Welt aus dem Glanz der Scheinwelt in eine graue, trübe Wirklichkeit heben. Sie zeigen, wie fragil solche Konstrukte sein können. Der Tod des 23jährigen Michael Goolaerts (er erlitt beim Rennen einen Herzinfarkt und starb darauf im Krankenhaus) bei Paris-Roubaix ist z.B. eines dieser Ereignisse.

So viele Menschen sterben unnötig. Jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde. So betrüblich, so real. Doch denken wir wenig darüber nach, sofern es einen nicht direkt betrifft. Doch der Tod eines Helden in der heilen Scheinwelt ist etwas, das nicht in die Choreografie hinenpasst. Helden dürfen einfach nicht sterben!

Denn dann ist man wieder mit der Realität konfrontiert in der Menschen einfach sterben.

 

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