Wasserschlacht: Harrogate, Seibersdorf

Ich bin noch marod und habe daher die Chance, die Zeitfahrbewerbe bei der Rad-WM live im TV zu sehen. Was da heute beim Zeitfahren der U23 rund um Harrogate abging, war der Wahnsinn. Regen, Regen, Regen. Und dann irgendwann riesige und tiefe Lacken auf der Straße. Insgesamt nicht mehr ganz reguläre Bedingungen für alle Fahrer, den armen Teufel aus Dänemark hat’s richtig erwischt, der ist in so einer Lacke gestürzt… gefühlt stand das Wasser dort einen halben Meter hoch. Bitter. Einer der anderen Dänen war glücklicher: Mikkel Bjerg holte seinen dritten WM-Titel im Einzelzeitfahren der U23. Chapeau. Der Österreicher Markus Wildauer wurde 9. Ebenso Chapeau.

Vor kurzem hatte ich auch eine regelrechte Wasserschlacht bei einem Zeitfahrbewerb, wenngleich uns aber diese riesigen, tiefen Lacken erspart blieben: Das Zeitfahren über 44 km in Seibersdorf im Rahmen des Zeitfahrcups am 7.9. Kalt war’s auch zusätzlich, so 13 Grad, dafür gab’s nur wenig Wind.

Irgendwie regnete es schon des ganzen Tag und ich war mir nicht so sicher, ob ich überhaupt starten sollte, immerhin ist die Erkältungsgefahr bei solchen Bedingungen doch höher. Und topfit fühlte ich mich einfach nicht. Dann lösten sich aber die Zweifel: Bei Rennen sind solche widrigen Bedingungen ja genau die Bedingungen, die ich mag. Hohe Temperaturen liegen mir z.B. überhaupt nicht. Und außerdem gehört es sich, solche kleinen, aber feinen Veranstalter zu unterstützen – man möchte ja, dass es in Zukunft auch noch solche Rennen gibt.

Es tat sich dann zum Einfahren vor dem Bewerb ein trockenes Fenster auf – wenigstens  das, denn wenn’s vorher schon regnet und man schon beim Einfahren so durchnässt ist, dann ist’s noch unangenehmer. Kurz vor dem Start meinte Kollege H. dann auch noch: „Na, des bleibt jetz‘ aso, da regnet’s ned“. Klang gut, war aber nicht richtig, 5 Minuten, nach meinem Start begann es zu schütten… Kurz dachte ich dann noch daran, dass es verdammt öde werden wird, das Rad dann zuhause zu putzen. Dann freute ich mich aber: Es gab ohnehin keine Option mehr trocken zu bleiben und es sind ja genau meine Bedingungen. Kalt, nass, wenig Wind – für mich war dann klar: Das wird mein bisher bestes Zeitfahren 2019.

Bis auf die Kurven, die ich ordentlich eiernd und am Basislenker absolvierte, konnte ich alles ohne großartige Anstrengung in der Aeroposition durchfahren. Offensichtlich zahlen sich Stabi-, Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining tatsächlich aus. Wenn’s heiß ist, tu‘ ich mich auch mit dem Halten der Aeroposition schwerer. Bei diesem Rennen fühlte sich das aber super an. Das Pacing (normalerweise nach Wattwerten) klappte auch, solange ich zumindest die Daten auf dem Radcomputer ablesen konnte – irgendwann war’s mit der Sicht durch’s Visier, v.a. aber mit der Lesbarkeit des Displays am Garmin durch die Wassertropfen schwierig. Irgendwann fuhr ich dann nach Gefühl – die handgestoppten Rundenzeiten zeigten mir aber, dass ich mir die Strecke gut eingeteilt hatte, 2 Runden waren zu fahren und ich war annähernd gleich schnell, die Wattwerte waren auch jeweils fast gleich hoch. Schön, dass ich mich auch noch auf mein Gefühl verlassen kann.

Das Wasser. Glücklicherweise war’s am 7.9. nicht so schlimm wie bei der U23 heute. Aber man merkte doch, dass es am Rad zerrt, wenn man durch eine etwas tiefere Lacke durchfährt. Und in den Kurven muss man ohnehin aufpassen. Zwar heißt es, dass die Haftung auch bei Nässe ganz gut ist, wenn’s schon richtig viel geregnet hat und die Straße somit sauber ist. So richtig mag man dem aber nicht vertrauen, immerhin weiß man auch nicht, ob nicht etwas, das rutschigen Untergrund verursacht, vom Straßenrand oder so genau in die Kurve geschwemmt wurde. Auf den geraden bremst die Nässe meiner Meinung nach nicht.

Persönlich tu ich mir bei solchen Bedingungen leichter, an meine Leistungsgrenze bzw. darüber hinaus zu gehen. Der tiefrote Bereich ist dann für mich besser zugänglich. Aber natürlich ist’s nicht einfach bei Regen: Man ist komplett durchnässt, es wird einem leicht kalt, die Sicht ist beeinträchtigt (siehe oben) und der Untergrund Asphalt ist weniger vertrauenserweckend, wenn’s um die Ecke gehen soll. Nässe kühlt und das ist im Zeitfahren, wenn die Geschwindigkeit höher ist, eher ein Thema als z.B. bei Crossrennen, wo’s oft ebenfalls sehr nass ist. Ich wählte einen Langarm-Zeitfahranzug mit einem Unterleibchen, das ich bei einer normalen Ausfahrt bei Temperaturen um 23 Grad benutze. Das passte perfekt, man hat ja in der Aerohaltung am Auflieger ja ohnehin eine andere Stirnfläche eher im Schulterbereich und nicht am ganzen Oberkörper – ich bin da zumindest nicht so temperaturempfindlich. Die Beine schmierte ich mir mit einer Creme gegen Nässe und Kälte ein. Als Überschuhe probierte ich die Velotoze-Dinger mal aus, was zumindest dafür sorgte, dass auf den 44 km das Wasser nicht in den Schuhen stand – eine enorme Verbesserung zu normalen Lycra-Übeschuhen wenn’s nass und kalt ist (komplett trocken bleibt man aber auch nicht). Als Handschuhe verwendete ich Bioracer-Speedwear-Handschuhe (guter Gripp bei Nässe). Sollte ich das nächste Mal solche Verhältnisse zu meistern haben, werde ich es wahrscheinlich ohne Visier versuchen, damit die Sicht besser ist – das haben heute viele U23-Fahrer so gemacht. Und was ich auf jeden Fall machen werde: Ein rotes Blinklicht hinten anbringen, damit man vom Straßenverkehr (nicht alle Rennen können eine komplett abgesperrte Straße zur Verfügung stellen) besser gesehen wird.

Ahja, fast vergessen: „Was woar mei Leistung?“. Für meine Verhältnisse ziemlich gut. 38,5 km/h im Schnitt über 44 Kilometer machten mir große Freude. Dass echte Sportler da 15 km/h schneller sind, ist mir komplett wurscht.

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Wichtig: Zunge zwischen den Lippen einzwicken, wenn man konzentriert und fokussiert ist! 😉

P.S.: Danke an’s Veranstalterteam für die coolen Bewerbe 🙂 und die Fotos dazu

P.P.S.: „>Video vom Crash

P.P.P.S.: Hier noch ein paar Bilder aus dem Web zum Rennen der U23 https://www.cyclingweekly.com/news/racing/watch-chaos-reigns-supreme-yorkshire-worlds-u23-time-trial-438427?fbclid=IwAR0X7z6s9ShFeiNLR0bafMV01HPbqPTp6X9rct_7c-KNbSWBoqNbrE6Nlqc;

 

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