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mein radsport – misc

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Viel zu schnell. Manche sagen, dass sie das schneller tut, als noch früher, wo ggf. alles besser gewesen sein hätte können.

Und auch meine Zeit vergeht. Ich werde älter. Mittlerweile kann ich sogar vor der Glotze einschlafen.

In der Welt meiner passiven Radsportleidenschaft vergeht die Zeit natürlich auch. Ich kann mich z.B. noch an Alejandro Valverde erinnern, als er im Trikot des besten Nachwuchsfahrers erstmals bei der Vuelta aufzeigte. Jetzt ist er unter der Kategorie „Oldie but Goldie“ einzuordnen. Und meine Idole haben schon aufgehört, z.B. René Haselbacher oder Thor Hushovd. Und Tom Boonen wurde 2005, d.h. bereits vor 13 Jahren Weltmeister. Ich habe als Fan schon den einen oder anderen Generationenwechsel hinter mir.

Ich trage beim Rennradeln gerne Profi-(Replika-)Trikots, auch wenn das manche eigenartig finden. Auch eines im Design der Schweizer Olympiamannschaft. Da wurde ich auf der Straße von einem Rennradler-Kollegen auch mal als Cancellara angesprochen (hätte ich doch nur etwas von der Power des Schweizers). Der hat ja mittlerweile auch aufgehört. Am letzten Freitag wurde ich in einer Steigung aber mit den Worten „Allez-Allez Dillier“* angefeuert. Cancellara ist vorbei.

Die Zeit vergeht.

*Dillier, Silvan; geb. 3.8.1990; er wurde bei Paris-Roubaix 2018 im Trikot des Schweizer Meisters, das dem Trikot der Schweizer Olympiamannschaft sehr ähnlich sieht, toller Zweiter.

 

 

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Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix sind stets Highlights in meinem Saisonkalender als Passiv-Radsportler. Obwohl ich es selbst als furchtbar empfinde, über Kopfsteinpflaster zu rumpeln (dabei hat der Pflasteruntergrund hierzulande bei Weitem eine bessere Qualität als der bei Paris-Roubaix), sehe ich den Stars gerne dabei zu. Spannende Rennen, tolle Leistungen der Fahrer und ganz viel von dem, was Radsport sonst noch ausmacht: Tradition, Leiden, Helden.

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Letztens, an einem Sonntag, veranstaltete das Radgeschäft meines Vertrauens (roadbiker) eine gemeinsame Ausfahrt. Treffpunkt 9 Uhr, das hieß für mich, dass ich früher als unter der Woche aufstehen musste… Rennradler sind leider wohl doch eher Frühaufsteher. Aber es hat sich ausgezahlt, tolle Ausfahrt!

Da ich etwas spät dran war, fuhr ich mit einem Regionalzug zum Praterstern (von dort sind’s nur ein paar Meter zum Treffpunkt vor’m Shop). Im Zug kam ich mit einer älteren Dame ins Gespräch, die mit ihrem Trekking-Bike ebenso an den Praterstern fuhr. Von dort sollte sie ihre Radtour ans obere Ende der Donauinsel und zurück führen. Dass sie nicht nach Tulln gefahren sei, um dort den Rückenwind nach Wien zurück zu nutzen, das ärgere sie ein wenig, meinte sie. Sie fährt fast jeden Tag und dies bereitet ihr große Freude.

Beim Aussteigen erzählt sie mir noch, dass sie bereits 86 Jahre alt sei. Wow. Respekt. Ich würde mich freuen, wenn ich mit 86 Jahren noch so fit wäre. Und dann sagt sie: „Wenn ich nimmer Radfahren kann, dann stirb‘ i!“ Ich wünsche ihr noch viele Fahrten und verabschiede mich. Und dann denke ich nach: Ich weiß nicht, wie’s mir gehen würde, könnte ich plötzlich nicht mehr (Renn-)Radeln. Vielleicht würde ich nicht physisch ableben. Aber ein großer Teil von mir, der würde schon sterben…

 

In letzter Zeit ist im Rennrad-Universum der Straße doch einiges passiert, das nach Häufung aussieht: Tragische Todesfälle von prominenten ProtagonistInnen und auch viele namenlose Tote. Diese Dinge haben mich berüht. Es gab auch Diskussionen aufgrund dieser Anlassfälle, auch Profis wie z.B. Michael Gogl meldeten sich zu Wort: http://derstandard.at/2000058414871/Shitstorm-auf-Gogls-Facebook-Seite-Hat-mit-normalem-Menschenverstand-nichts

Und die Diskussion ist leider auch heftig und untergriffig…

Abseits der Diskussionen habe ich subjektiv das Gefühl, dass es auf den Straßen rauer zugeht, ich habe auch das Gefühl, dass Anfeindungen gegen mich als Rennradfahrer im Straßenverkehr über die Zeit mehr wurden, ebenso, wie die brenzligen Situationen. Und ich fühle auch ein allgemeines (sowohl bei Menschen im Auto, im LKW, am Rad, zu Fuß, auf Skates,…) Anwachsen des gefährlichen und asozialen Verhaltens.  Umgekehrt wird Rücksichtnahme, soziales Verhalten, Zurückhaltung, etc. in einer Zeit wo das Ego boomt und rüpelhaftes Verhalten honoriert wird, als Schwäche gesehen und ausgenutzt.

Eine einzige brenzlige Situation kann böse Folgen haben. Das ist natürlich klar. Und nach jeder Ausfahrt erinnert man sich stets an die rücksichtslosen Menschen, denen man begegnet ist. Trotzem: Es gibt so viele Menschen in PKWs und LKWs, die Rücksicht nehmen, die 1,5 Meter Seitenabstand halten, die abbremsen und erst dann mit sicherem Raumgefühl für mich überholen wenn kein Gegenverkehr kommt, es gibt so viele Menschen, die nicht pöbeln, etc. – auch wenn sie sich vielleicht über meine Präsenz auf der Straße, am Radweg oder sonstwo ärgern. Es gibt so viele Menschen die sich sozial verhalten. Sollte zwar selbstverständlich sein, aber heutzutage ist es das nicht.

Daher ein ehrliches und herzliches DANKE an alle, die Rücksicht – u.a. auf RennradlerInnen – nehmen und sie im Straßenverkehr respektvoll behandeln!!!

Vor kurzem schrieb ich über den tragischen Tod von Michele Scarponi, meine Gefühle und meine Dankbarkeit, dass bei meinen Fahrten bisher nichts Schlimmes passiert ist. Vor kurzem ist auch der junge Amerikaner Chad Young im Alter von nur 21 Jahren seinen Sturzverletzungen erlegen, die er sich bei der Tour of Gila zugezogen hat.

Keinen Namen hat der Radsportkollege, der beim Neusiedlersee-Radmarathon eine Kollision mit einem Auto nicht überlebt hat. Außer für die Angehörigen, die einen äußerst schmerzhaften Verlust erfuhren. Mein Beileid an sie.

Es wird einem bewusst, das der Tod so oft im Windschatten mitfährt es kann so leicht etwas passieren. Ein namenloser Toter erinnert mich wieder einmal daran.