Vor 265 Tagen (10. September 2017) hat der das rote Führungstrikot der Vuelta 2017 nach der letzten Etappe in Madrid bekommen, somit ist er vorerst mal Vuelta-Sieger. Vorerst deshalb, weil er irgendwann dann zu viel Salbutamol intus hatte, angeblich das Doppelte des Grenzwerts.

Und seither wird nun herumgeschissen, ob er nun gedopt ist, oder nicht. Salbutamol ist ein Asthmamittel und bis zu einem gewissen Grenzwert erlaubt. Ob ein Dopingvergehen vorliegt, ist offen. Und seit 5 Tagen ist er nun auch vorerst Giro-Sieger 2018.

Das kann’s jedenfalls nicht sein. Als Fan weiß man nicht, ob er nun eigentlich fahren dürfte, oder nicht, ob das ok ist, oder nicht. Und v.a. weiß man nicht, was mit seinen Ergebnissen seither, v.a. eben den Siegen bei der Vuelta und dem Giro ist. Diese zeitliche Verschiebung, diese Ungewissheit. Unerträglich!

Um sowas zu vermeiden sind unbedingt zeitnahe Kontrollen inkl. Ergebnissen und ggf. Sanktionierung notwendig. Das funktioniert ja halbwegs, persönlich finde ich, dass ein Ergebnis einer Dopingprobe noch am gleichen Tag oder noch vor dem Start der nächsten Etappe da sein muss. Wenn Froome bei der Vuelta einen positiven Dopingbefund hat, ist dieser sogar schon am Montag, 11. September 2017, einen Tag nach dem Ende der Vuelta 2017, zu spät.

Und das bringt mich zum nächsten Punkt: So eine Regelung, dass man Salbutamol bis zu einem Grenzwert nehmen darf, passt für mich. Nicht passt, dass selbst bei einer Überschreitung nicht klar ist, ob das dann als Doping gilt. Mein Bruder hat mich auf den Gedanken der Kehrseite der hohen Strafen bei Dopingvergehen gebracht: Wenn man dann gleich mal 2 Jahre gesperrt werden kann, wird halt alles rechtlich Mögliche ausgenutzt und das zieht sich. Verständlich, würde jeder so machen. Die Relativität zu anderen sportlichen Vergehen, wie z.B. einer Blutgrätsche oder sonstigen vorsätzlichen Taten, wo der Gegner verletzt vom Spielfeld muss, lasse ich auch mal dahingestellt.

Anyway. Wenn schon gesagt wird: „Ok, Salbutamol, das darfst Du nehmen, und zwar bis zu einem gewissen Grenzwert!“, dann heißt das für mich, dass es auch etwas anderes als Schwarz-Weiß, gedopt und nicht gedopt, gibt. Und hier gibt’s halt Grenzwerte. Man kann ja über andere Strafen hier nachdenken, eben vor dem Hintergrund, dass, wie vorher angemerkt, Salbutamol was anderes als „klassisches“ Doping (nach WADA-Regeln) ist. Z.B. bei erstmaligem Verstoß, d.h. Überschreitung des Grenzwertes, Ausschluss aus dem aktuellen Rennen und 4 Wochen Sperre sowie eine Geldstrafe. Kommt sowas nochmals vor, halbes Jahr Sperre plus Griff ins Geldbörsl. Beim dritten Mal dann 2 Jahre oder so (und zwischendurch kann man vielleicht versuchen, eine Grenzwertüberschreitung anders zu erklären, wie es Sky, Froome und deren ExpertInnen gerade tun). Polemischer Vergleich dazu: Wenn man beim Alkotest im Straßenverkehr zu viel Promille hat, nimmt einem der Polizist gleich Schein und Schlüssel weg. Basta. Transparent. Zeitnah.

Meine Vision wäre ja folgendermaßen (keine Ahnung, ob durchführbar): Ähnlich wie bei DiabetikerInnen wird von jedem aus dem Peloton nach der Etappe ein Tröpfchen Blut abgenommen, das wird durch eine Maschine geschickt und am nächsten Tag in der Früh weiß man, wer noch starten darf und wer nicht*. Und nicht erst 256 Tage und mehr nachher.

*Ich habe mal Berichte über Studien aufgeschnappt, dass die Leut eher weniger Gesetze brechen, wenn die Chance des Erwischtwerdens hoch ist, als wenn die Strafen drakonisch ausfallen. Was weiß ich.

 

Advertisements

IMG_0689

Viel zu schnell. Manche sagen, dass sie das schneller tut, als noch früher, wo ggf. alles besser gewesen sein hätte können.

Und auch meine Zeit vergeht. Ich werde älter. Mittlerweile kann ich sogar vor der Glotze einschlafen.

In der Welt meiner passiven Radsportleidenschaft vergeht die Zeit natürlich auch. Ich kann mich z.B. noch an Alejandro Valverde erinnern, als er im Trikot des besten Nachwuchsfahrers erstmals bei der Vuelta aufzeigte. Jetzt ist er unter der Kategorie „Oldie but Goldie“ einzuordnen. Und meine Idole haben schon aufgehört, z.B. René Haselbacher oder Thor Hushovd. Und Tom Boonen wurde 2005, d.h. bereits vor 13 Jahren Weltmeister. Ich habe als Fan schon den einen oder anderen Generationenwechsel hinter mir.

Ich trage beim Rennradeln gerne Profi-(Replika-)Trikots, auch wenn das manche eigenartig finden. Auch eines im Design der Schweizer Olympiamannschaft. Da wurde ich auf der Straße von einem Rennradler-Kollegen auch mal als Cancellara angesprochen (hätte ich doch nur etwas von der Power des Schweizers). Der hat ja mittlerweile auch aufgehört. Am letzten Freitag wurde ich in einer Steigung aber mit den Worten „Allez-Allez Dillier“* angefeuert. Cancellara ist vorbei.

Die Zeit vergeht.

*Dillier, Silvan; geb. 3.8.1990; er wurde bei Paris-Roubaix 2018 im Trikot des Schweizer Meisters, das dem Trikot der Schweizer Olympiamannschaft sehr ähnlich sieht, toller Zweiter.

 

 

Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix sind stets Highlights in meinem Saisonkalender als Passiv-Radsportler. Obwohl ich es selbst als furchtbar empfinde, über Kopfsteinpflaster zu rumpeln (dabei hat der Pflasteruntergrund hierzulande bei Weitem eine bessere Qualität als der bei Paris-Roubaix), sehe ich den Stars gerne dabei zu. Spannende Rennen, tolle Leistungen der Fahrer und ganz viel von dem, was Radsport sonst noch ausmacht: Tradition, Leiden, Helden.

Read More

IMG_0641.JPG

Sonne, nicht allzu viel Wind, 10 Grad und Samstag. Zeit, um am Nachmittag nach meiner halbwegs überstandenen Verkühlung nach 2 Wochen wieder auszufahren. Das Ridley Cross-Fire war heute nochmals das Rad meiner Wahl, denn für eine Ausfahrt auf Asphalt war’s mir noch zu kalt.

Ruhig ging’s los und bald waren auf den bekannten Pfaden im Prater und auf der Donauinsel 25 km abgespult. Pinkelpause irgendwo in der Lobau. Und dann nach den ersten Tritten ging’s mit der Knackerei im Tretlager los. Ohne Vorwarnung. Read More

IMG_0573.JPG

Tour of Dubai, Dubai-Tour oder wie auch immer man es nennen möchte. Jedenfalls läuft sie abends auf Eurosport. Ich bin etwas durcheinander und schaue daher zu. Es ist Mittwoch, die Landschaft dort ist nicht nur mittwochs langweilig sandig und fahl. Auch einer der Gründe, warum ich dort nie hinreisen möchte. Grotesk wirken die diversen Bauten – man kann z.B. Hotels oder irgendwelche Wasserparks erblicken –  die man auf den Fernsehbildern sieht, dabei sind das noch nicht mal die standard-größenwahnsinnigen Gebilde der Scheichs, die man kennt. Das ist ein weiterer Grund. Andere gibt’s auch noch. Read More

IMG_0528.JPG

„Vienna ventosa aut venenosa“ – in Wien herrscht der Wind oder die Pest. So lautet in Sprichwort aus dem Mittelalter (Quelle: Wiener Zeitung http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wz_reflexionen/vermessungen/573280_Das-grosse-Sterben-in-Wien.html). Ja, es gab einige Pestepidemien in der Stadt… Heute glücklicherweise nur mehr die allwinterliche Grippewelle. Aber der Wind weht noch fast durchgehend, mal mehr, mal weniger, gefühlt eher mehr. Windstill ist es fast nie. Read More

sportograf-110164178

Der King of the Lake, das Zeitfahren um den herrlich schönen Attersee ist seit 2015 mein absolutes Saisonhighlight. Für den normalen Straßenverkehr abgesperrte Straßen, viele Zuseher, Fanzonen an der Strecke, ein tolles Start-Ziel-Gelände, perfekte Organisation und über 1000 Sportlerinnen und Sportler ergeben einen einzigartigen Event. Am 30.9. war’s heuer wieder so weit, dass ich dieses Ereignis genießen durfte. Read More